Pixel, Punkt und Gott

Kurt Rade, Sinikka Airaksinen

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Ashia von den Ame­ri­can Song­birds by Kurt Rade

Noch mal zurück zu den Song­birds. Kurt Rade hat uns von dem Fes­ti­val eine Rei­he Fotos über­las­sen, unge­wöhn­lich gute, aber noch unge­wöhn­li­cher ist: Noch bevor er sie gemacht hat, hat­te Sinik­ka Airaksi­nen sie bereits auf ihre gra­phi­sche Sub­stanz zurück geführt. Bei­de hör­ten sie den Song­birds zu, er mit Kame­ra, sie mit Stift, bei­der Bil­der machen die Musik hör­bar, ein­mal in digi­ta­ler Opu­lenz, das ande­re mal auf Punkt und Linie redu­ziert. „Ein guter Maler“, um Dürer zu zitie­ren, „ist inwen­dig vol­ler Form“, ein guter Foto­graph ist es auch. Hier bei­der Gale­rie:

 

Was sich hier auch zeigt: Sinik­kas Reduk­ti­on auf Punk­te, mit einer Linie ver­bun­den, die ja wie­der­um nur aus Punk­ten besteht, ist der digi­ta­len Tech­nik min­des­tens ver­wandt, die ers­te Digi­tal­ka­me­ra schaff­te eine Auf­lö­sung von 376 x 284 Pixel. Das war 1991, die ers­te Pixel-Theo­rie ist älter, sie stammt aus dem 15. Jahr­hun­dert:

Niko­laus von Kues  —  Theo­lo­ge, Phi­lo­soph und Mathe­ma­ti­ker, ein Vor­den­ker des Huma­nis­mus  —  hat­te den Punkt zur Ur-Ein­heit erklärt, aus der her­aus die Linie ent­steht:

„Und es ent­fal­tet sich die im Mit­tel­punkt ein­ge­fal­te­te Kraft des Sei­en­den gleich­sam wie in einer aus­ge­zo­ge­nen Linie, wel­che die Kraft des Sei­en­den ist, die vom Sei­en­den gezeugt und ent­fal­tet ist.“

Alles, was ist, sei ent­fal­te­ter Punkt, so Cusa­nus. Auf die­sen Punkt bau­te er dann sei­ne Got­tes­leh­re auf: Gott sei sowohl Einfal­tung von allem, also das­je­ni­ge, was alles ande­re in sich birgt. Gott sei eben­so Entfal­tung von allem, also das­je­ni­ge, was alles Geschaf­fe­ne aus die­sem einen Punkt her­aus in die Welt setzt. com­pli­ca­tio und expli­ca­tio, Punkt und Pixel …