EKD-Beford-Strohm

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm | Kolja Warnecke/EKD.de

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, wird mit dem Hans-Ehrenberg-Preis 2015 geehrt. Die Laudatio auf den Ratsvorsitzenden hält Bundesminister Sigmar Gabriel, Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Gewürdigt wird Heinrich Bedford-Strohm „für seine öffentliche Theologie“ und die „Impulse, die er dem Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft gibt“. Der Festakt am 30. Oktober, 14 Uhr verzichtet auf das Ritual beidseitigen Lobredens, Sigmar Gabriel und Bedford-Strohm werden „Position beziehen“  –  so der Titel ihres von Bernd Becker, Direktor des Evang. Presseverbandes für Westfalen und Lippe, moderierten Dialogs über gegenwärtige Herausforderungen politisch-verantwortlichen Handelns.

Der mit 5 000 EUR dotierte Preis wird in der Christuskirche durch den Superintendenten des Evang. Kirchenkreises Bochum. Dr. Gerald Hagmann, und den Theologischen Vizepräsidenten der Evang. Kirche von Westfalen, Albert Henz verliehen. Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister der Stadt Bochum, spricht ein Grußwort. Die im Krieg zerstörte, 1959 neu errichtete Christuskirche, aus der heraus heute der Platz des europäischen Versprechens entsteht, war Predigtstätte von Hans Ehrenberg, dem Vordenker und Wegbereiter des kirchlichen Widerstands gegen das totalitäre NS-Regime.

Von den Nazis mit einem „totalen Redeverbot“ belegt, war Ehrenberg 1938 ins KZ Sachenhausen verschleppt worden. 1939 konnte er mit seiner Familie nach England entkommen, von wo aus er den nationalsozialistischen Terror weiter bekämpft hat  –  „kompromisslos und radikal wie kein anderer Theologe seiner Zeit“, so Günter Brakelmann, Ehrenbergs Biograph.

Heute werden mit dem nach Hans Ehrenberg benannten Preis Persönlichkeiten gewürdigt, „die in öffentlicher Auseinandersetzung protestantische Position beziehen und sie in aktuellen politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Kontroversen vertreten“.

Das dialogische Prinzip  –  vor seinem Bochumer Pfarramt war Ehrenberg Professor für Philosophie in Heidelberg, er zählt zu den Begründern der Dialog-Philosophie  –  prägt auch den Charakter der Preisverleihung, die im zweijährigen Turnus stattfindet: Laudatoren und Preisträger diskutieren deutlich unterschiedene Überzeugungen im öffentlichen Diskurs. So wurden in den vergangenen Jahre u.a. Karl Kardinal Lehmann und Präses Manfred Kock von Otto Graf Lambsdorff laudatiert, der Publizist Robert Leicht von Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Kultur-Theologin und Publizistin Edna Brocke von dem Geschäftsführer der Kulturhauptstadt RUHR.2010, Fritz Pleitgen. Bei der Würdigung von Antje Vollmer, der langjährigen Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages, kamen 2011 auch Demonstranten, die sich gegen Vollmers auf Ausgleich bedachte Politik aussprachen, zu Wort.

„Position beziehen“ werden auch Sigmar Gabriel und Heinrich Bedford-Strohm. In einer Zeit, in der Religion und demokratische Politik in durchaus rabiate Spannung geraten können, wird der EKD-Ratsvorsitzende auf diese Weise dafür geehrt, dass er „den Protestantismus prägnant und politisch profiliert repräsentiert“, wie es in der Begründung der Findungskommission heißt.

 

>> Hans-Ehrenberg-Preis: Preisträger, Laudatoren, ausführliche Biographie von Hans Ehrenberg

>> Die Teilnahme am Festakt steht allen Interessierten offen. Anmeldungen werden erbeten an info@christuskirche-bochum.de