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(c) Theo Oberheitmann

Hat Musik Bedeutung? Lässt sie sich immer und überall spielen? Oder gewinnt sie ihre Bedeutung dadurch, dass sie zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort erklingt? Wir spielen die Matthäuspassion am Karfreitag an einem Ort, der dem Gottesdienst gewidmet ist. Es ist ein Werk von immenser Größe, von tiefer Trauer und betörender Schönheit. Ein Werk, das den Juden Jesus erinnert und Jesu Gegner als „die Juden“ markiert. Und sie verleumdet. Ein Werk, an dessen Ende, wer es nacherlebt hat, nicht applaudieren mag, sondern in der Welt sein wird wie der Chor, er setzt sich mit Tränen nieder.  //  Zum Karfreitagskonzert //

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Mit Religion habe er nicht viel zu tun, sagt Theo Oberheitmann von sich selber, er hat aber  —  wie der römische Hauptmann im Markus-Evangelium  —  den Blick fürs Kreuz:

„Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls, liebevoll auf dem Grab platziert und dekoriert.“

Die Bilder, die er davon macht, setzen die Ikonographie der Leiden Jesu fort, traurig und schön und anstößig wie Blasphemie. Wie das Kreuz, das skandalon:

Ein fehlender Kopf wird durch Blumen ersetzt. Wenn die Schrauben für die Befestigung durchgerostet sind, wird der Corpus mit Draht befestigt. Mich interessiert das Einswerden mit dem Untergrund, der stetige Verfall durch Korrosion, das Überwuchern mit Pflanzen bis zur fast totalen Auflösung von Kreuz und Corpus.

Und dann … ein paar frische Blumen, man muss sie suchen, sie sind da. Als stemme die Trauer sich gegen den Verfall, gegen das Verschwinden, als halte sie die Auflösung auf. Trauer beharrt darauf, dass es eine Erinnerung gibt und eine Wirklichkeit, die erinnert und dass die Trauer so wirklich ist wie die Blumen auf dem Grab. Wenn irgendwas auf der Welt, das der Behauptung, wir seien ins post-faktische Zeitalter eingetreten, wenn irgend etwas dem entgegen steht, dann die Trauer um einen geliebten Menschen.