„Die Anti-BDS-Kirche“

Wer Freiheit will, feiert die Kunst | 15. September

Gedenk­ta­fel für die Opfer des Ter­ror­an­schlags auf den Club Bata­clan, Paris, am 13. Novem­ber 2015 | (cc) Jean-Pierre Bazard

Ste­fan Frank hat das „Fes­ti­val für die Frei­heit der Kunst“ auf Mena Watch vor­ge­stellt und ua ein Inter­view mit mir geführt. // Das Musik­fes­ti­val fin­det in der Chris­tus­kir­che Bochum statt, einer der größ­ten Kul­tur­kir­chen bun­des­weit und bekannt als Ort für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, wo Israel­boy­kott kei­nen Platz hat. Ihr Pfar­rer Tho­mas Wes­sel sieht die Boy­kott-Bewe­gung gegen jüdi­sche Künst­ler in einem Zusam­men­hang mit dem Mas­sa­ker im Pari­ser Ver­an­stal­tungs­lo­kal „Bata­clan“ vom 13. Novem­ber 2015. „Lan­ge Zeit“, sagt er gegen­über Mena Watch, habe er „nicht ernst genom­men, dass es wie­der Leu­te gibt, die Kul­tur boy­kot­tie­ren. Ist ja auch eine kom­plett irre Idee: ‚Kunst­ver­bot!’ Dann die Ter­rorm­or­de im Bata­clan, Paris, wo immer wie­der mal Bands gespielt haben, die auch bei uns auf­ge­tre­ten sind, da dach­te ich zuerst, dass es offen­bar die­se Art Kil­ler­ty­pen sei, die Kunst tot­schie­ßen wol­len. Als mir dann klar wur­de, dass Hyper Cacher [das kosche­re Lebens­mit­tel­ge­schäft in Paris, in dem der Dschi­ha­dist Ame­dy Couli­ba­ly am 9. Janu­ar 2015 vier Juden ermor­de­te und zahl­rei­che Gei­seln nahm; S.F.] nicht bloß irgend­ein Super­markt war, son­dern ein jüdi­scher Super­markt, da däm­mer­te mir, wor­um es wirk­lich geht.“

Ziel der Chris­tus­kir­che Bochum sei es, dass das Fes­ti­val für die Frei­heit der Kunst „die gesam­te Spiel­zeit“ über lau­fe:

„Immer wie­der mal Künst­ler und Künst­le­rin­nen aus Isra­el, aber mit größ­ter Selbst­ver­ständ­lich­keit.“

So habe erst kürz­lich, am 1. Sep­tem­ber, die Band Kro­ke in der Chris­tus­kir­che Bochum gespielt,

„Kro­ke kom­men aus Kra­kau, aber ihr Kra­kau liegt nicht weit von Isra­el ent­fernt. War ein genia­les Kon­zert! Im Okto­ber spielt Ita­mar Erez bei uns, israe­lisch-kana­di­scher Gitar­rist, vor allem aber: ein mega guter! Wir ken­nen auch die Pop-Sze­ne in Ber­lin ganz gut, da gibt es eini­ge fan­tas­ti­sche Acts mit israe­li­schem Back­ground …

Im Grun­de machen wir, was BDS ver­hin­dern will, wir nor­ma­li­sie­ren. Und wenn BDS-from­me Acts so wie zuletzt Lisa Ger­r­ard von Dead Can Dance, wenn sie sich ent­schei­den, eben­falls bei uns zu spie­len, sind auch sie will­kom­men: Sie müs­sen sich dann ja vor ihren eige­nen Tri­bu­na­len ver­ant­wor­ten.“

Den Ent­schluss der Jüdi­schen Kul­tur­in­itia­ti­ve, den Erlös des Fes­ti­vals für die Betreu­ung von Opfern des Ter­ro­ris­mus zu spen­den, kom­men­tiert Wes­sel so:

„Wir sind viel zu schnell bereit, die Mär­chen der Ter­ro­ris­ten nach­zu­er­zäh­len, die­se post-lin­ke Sug­ges­ti­on, die Opfer des Ter­rors besä­ßen irgend­ei­ne Schuld. Hin­ter­rücks pro­du­zie­ren wir alle sol­che pseu­do-logi­schen Zusam­men­hän­ge: Twin Towers, Ku’damm, Paris je’taime … wer sich da auf­hält, ist der nicht doch auch Teil einer welt­wei­ten Apart­heids-Appa­ra­tur usw. Sol­che vor­po­li­ti­schen Zusam­men­hän­ge pro­du­zie­ren wir ver­mut­lich des­halb, weil uns das Prin­zip des Ter­rors uner­träg­lich ist, es ist das Prin­zip des Zufalls. Zufall ist das ein­zi­ge Herr­schafts­prin­zip, das unbe­herrsch­bar ist. Bene­fiz für Ter­ror-Opfer heißt dar­um: Ter­ror äch­ten. Ter­ror ist ein Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit.“

 


Der gesam­te Arti­kel, dar­in Inter­views mit Gaby Stronz und Gabrie­la Schle­si­ger von der Jüdi­schen Kul­tur­in­itia­ti­ve: hier kli­cken

Mena-Watch – Der unab­hän­gi­ge Nah­ost-Think­tank ist aus der Ende 2011 in Wien ins Leben geru­fe­nen Medi­en­be­ob­ach­tungs­stel­le Naher Osten her­vor­ge­gan­gen. Über die Arbeit der Medi­en­be­ob­ach­tung hin­aus erstellt Mena-Watch Dos­siers zu aktu­el­len The­men, ver­öf­fent­licht Ana­ly­sen und stellt Fak­ten zu aktu­el­len Ent­wick­lun­gen im Nahen Osten und Nord­afri­ka zusam­men. Exklu­siv­bei­trä­ge renom­mier­ter Autoren wer­den eben­so ver­öf­fent­licht wie Über­set­zun­gen fremd­spra­chi­ger Exper­ten­bei­trä­ge. Indem die­se einer deutsch­spra­chi­gen Leser­schaft zur Ver­fü­gung gestell wird, fin­den Stim­men Gehör, die in den euro­päi­schen Debat­ten anders fehl­ten. Mena-Watch ist ein unab­hän­gi­ger Think-Tank und als sol­cher frei von Ein­fluss­nah­men durch Staa­ten, poli­ti­sche Par­tei­en oder Medi­en.


FESTIVAL FÜR DIE FREIHEIT DER KUNST

14:00 h
Gabrie­la Schä­fer | Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Bochum
Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger | Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te NRW
Diet­mar Kös­ter | MdeP

15:30 h
Klas­sik Duo Wei­mar & Liri Doll | Klez­mer, Klas­sik und israe­li­sche Lie­der

16:30 h
Michae­la Engel­mei­er | Mac­ca­bi Deutsch­land

17:00 h
Joel & Kris­ti­na | Schot­ti­sche Musik
Gaby Spronz | Was ist BDS?

18:00 h
Vol­ker Beck

18:30 h
Vla­di­mir Mogi­levs­ky

19:30 h
Klas­sik Duo Wei­mar & Liri Doll

20:00 h
Alex­an­der Zolotarev, Ele­na Gapo­nen­ko | Jüdi­sche Kom­po­nis­ten der Klas­sik

(Alle Zeit­an­ga­ben ohne Pau­sen)

» Sonn­tag 15. Sep­tem­ber 2019 | ab 14 Uhr
» VVK 16 €
» Tickets in allen VVK-Shops bun­des­weit oder direkt hier bei uns (hier kli­cken)
» Wei­te­re Infos unter: JÜDISCHE KULTURINITIATIVE

Der Erlös des Fes­ti­vals geht an ISRAEL TRAUMA COALITION zuguns­ten der Opfer des Ter­rors gegen Isra­el.