(c) Theo Oberheitmann

Dass einer gekreuzigt wurde, hat keinen erlöst. Erlösung wäre, wenn keiner mehr gekreuzigt würde.

 


 

ZUM FOTO | Mit Religion habe er nicht viel zu tun, sagt Theo Oberheitmann von sich, er hat aber  —  wie der römische Hauptmann im Markus-Evangelium  —  den Blick fürs Kreuz: „Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls, liebevoll auf dem Grab platziert und dekoriert.“

Die Bilder, die Theo Oberheitmann davon macht, setzen die Ikonographie der Leiden Jesu fort. Traurig und schön, anstößig wie Blasphemie, anstößig wie das Kreuz, das skandalon: “Ein fehlender Kopf wird durch Blumen ersetzt. Wenn die Schrauben für die Befestigung durchgerostet sind, wird der Corpus mit Draht befestigt. Mich interessiert das Einswerden mit dem Untergrund, der stetige Verfall durch Korrosion, das Überwuchern mit Pflanzen bis zur fast totalen Auflösung von Kreuz und Corpus.”

Und dann, hier und da, ein paar frische Blumen. Als stemme die Trauer sich gegen den Verfall, gegen das Verschwinden. Trauer ist so wirklich wie die Blumen auf dem Grab. Wenn irgendwas auf der Welt, das der Behauptung, wir seien ins post-faktische Zeitalter eingetreten, dem entgegen steht, dann die Trauer um einen geliebten Menschen. Trauer, die den Tod realisiert, das pure Faktum, und die gerade deshalb nicht aufhören kann zu trauern, sie setzt sich mit Tränen nieder.