"Unterstützt von Bochum aus den Protest gegen das iranische Regime": Menschenrechtspreis von Iran-Freedom, gestaltet von dem Künstler Naser Sufiani.

Naser Sufiani | Bochumer Menschenrechtspreis (Ausschnitt)

Seit 2014 ist die Verleihung des Menschenrechtspreises ausgesetzt. Wir hoffen inständig darauf, dass die demokratischen exil-iranischen Kräfte an diesem Punkt, dem der Menschen- und Bürgerechte für alle, erneut zusammen finden können.


Freiheitsrechte aufgehoben, Regierungskritiker inhaftiert, Menschenrechtler gefoltert. Und Tausende, die hingerichtet wurden, auch Minderjährige. Im Iran sind die Menschen auf die Straßen gegangen und haben ihre Rechte eingefordert, die Demonstranten der Grünen Bewegung haben der arabischen Welt das Aufbruchssignal gegeben, sie waren die ersten, die niedergeknüppelt wurden. Ungezählt verschwanden sie in den Gefängnissen der Pasdaran: Die Revolutionsgarde ist die Gestapo des Regimes.

Bis heute müssen Demokraten aus dem Iran fliehen, viele von ihnen suchen Zuflucht in Europa. In Bochum hat sich über viele Jahre hinweg eine bunte exil-iranische Szene entwickelt, sie hat sich im Verein Iran-Freedom vernetzt, um von hier aus den Protest gegen das Regime zu unterstützen. Diesem Kampf für Freiheit und Demokratie, den Demokratien selber selten achten und ehren, hat der BOCHUMER MENSCHENRECHTSPREIS öffentliche Resonanz geschaffen.

Shirin Ebadi und Jasmin Tabatabai

Kuratorinnen des Preises sind die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und die Schauspielerin Jasmin Tabatabai.

Iran-Freedom gemeinsam mit der Christuskirche Bochum und begleitet von Amnesty International hat den Preis jährlich in der Christuskirche verliehen jeweils in der Dezember-Woche, in der die Welt den Internationalen Tag der Menschenrechte begeht.

Preisträgerin 2013 | Maedeh Ghaderi

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Maedeh Ghaderi, Menschenrechtsanwältin by Sabine Michalak | fotodesign-bochum.de

>> Die Rede von Shirin Ebadi zur Preisverleihung 2013

>> Radio Bochum: Bericht von Michael Ragsch

 

>> Bericht auf Ruhrbarone.de

>> Fotos auf unserer Foto-Seite

>> Unsere Vorberichte:

_ Shirin Ebadi: “Hand Shake mit einem, der Frauen steinigt?”
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Mohammad Reza Mortazavi: Solo für Menschenrechte
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Parastou Forouhar: “Widerstand ist weiblich”

Der Bochumer Menschenrechtspreis wird unterstützt von: Amnesty InternationalBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ | eden und teamKommunales Integrationszentrum Bochum | Kulturbüro der Stadt Bochum | Schirmherrschaft: Dr. Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin der Stadt Bochum

Preisträger 2012 | Shahrokh Zamani / Javid Hutan Kian

2012 wurden Shahrokh Zamani und Javid Hutan Kian geehrt, zwei politische Gefangene, deren beider Chance, die Haft zu überleben, äußerst ungewiss ist. Sie stehen stellvertretend für Tausende iranischer Demokraten, die in iranischen Gefängnissen gefoltert werden. Auf faire Gerichtsverfahren können sie nicht hoffen, das Rechtssystem ist ein Willkürsystem.

Shahrokh Zamani ist Gewerkschafter, sein Kampf für eine Sozial und Arbeitslosenversicherung wurde als “Propaganda gegen das System” verurteilt. Der Gewerkschafter wurde wegen “Bildung einer oppositionellen Gruppe” zu elf Jahren Haft in Täbris verurteilt. Das Gefängnis von Täbris ist als Foltergefängnis berüchtigt.

Javid Hutan Kian verteidigte eine wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Frau und wurde, weil er zwei deutschen Journalisten ein Interview gegeben hat, wegen “Gefährdung der nationalen Sicherheit” zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Menschenrechtsanwalt wird seit Monaten schwer gefoltert, in einem aus der Haft geschmuggelten Brief schrieb er:

Man hat mich zu sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt, ich bin mir sicher, dass man mich vor Ablauf der Haft­zeit leben­dig begra­ben wird.

Die Lau­da­tio hielt die Preis­trä­ge­rin des ver­gan­ge­nen Jah­res, Khadijeh Moghaddam. Shirin Ebadi, die ihre Teil­nahme kurz­fris­tig absa­gen musste, hielt ihre Rede per Video­schal­tung. Der Jour­na­list und Autor Marcus Hellwig, der im Okto­ber 2010 mit Hutan Kian zusam­men ver­haf­tet und 132 Tage im Fol­ter­ge­fäng­nis von Täb­ris inhaf­tiert wor­den war, las aus sei­nem bedrü­ckend beein­dru­cken­den Buch „Inschal­lah. Gefan­gen im Iran.“

>> Bochumer Menschenrechtspreis 2012
>> Presse- und Internet-Berichte [pdf]

Preisträgerinnen 2011 | Khadijeh Moghaddam, Shirin Ebadi

677_Foto (c) AYLA WESSEL_KULTURAGENTUER

Khadijeh Moghaddam, Gründerin der Initiative “Die Mütter vom Laleh-Park” | Ayla Wessel, Kulturagentüer

Zusammen mit Amnesty International würdigte Iran Freedom die Gründerin der Initiative “Mütter vom Laleh-Park”, Khadijeh Moghaddam: Im Iran gelten Frauen, die öffentlich um ihre ermordeten Kinder trauern, als Staatsrisiko. Die Laudatio hielt Shirin Ebadi, sie nutzte die öffentliche Preisverleihung dazu, die “massive Zensur” anzuklagen, die im Iran herrscht. Eine Zensur, die erst dadurch möglich wird, dass europäische Unternehmen mit dem Terror-Regime zusammen arbeiten. Ebadi:

Das iranische Regime will nicht, dass Iraner Zugang haben zu unzensierten Nachrichten aus dem Iran und aus der Welt. […] Sie dürfen nicht erlauben, dass Unternehmen, Wirtschaft und Privatwirtschaft Geschäfte mit dem Iran treiben, welche die Lage der Menschen verschlimmern und zu mehr Unterdrückung der Menschen führen.

>> “Bitte sprechen Sie über Demokratie”
>> Rede von Shirin Ebadi, Christuskirche 2011
>> Presse- und Internet-Berichte [pdf]