"Ein starkes Signal": Demo gegen Rechts am 25. Oktober 2008

Ayla Wessel | Kulturagentüer

Das letzte Mal, dass die NPD versucht hat, in Bochum Fuß zu fassen, ist etwas her. Nebenan in Dortmund haben sie ein anderes Problem. Vielleicht hat Bochum richtig reagiert: sofort und mit der vollen gesellschaftlichen Breite. Der Kampf gegen Rechte ist ja kein Privileg für Linke, sondern für alle und deshalb nicht zuletzt eine ästhetische Frage:

Lässt sich ein Aufruf denken, ohne den alt-linken Schlachtgesang anzustimmen, also ohne dass wer von “Anfängen” dräut, denen zu “wehren” sei? Ohne “Saat, die” und ohne “Schoß, der”? Ohne “zynisch” und ohne “dumpf”, ohne pathologische Begriffe wie “wahnhaft” und ohne Nonsenswörter wie “Bauernfängerei”?

Reicht es nicht, sich darauf zu einigen, dass niemand Nazis will “und nicht ihre Klamotten”? Ihre Parolen nicht “und nicht ihre Musik, wir können sie nicht ausstehen”?

Hier der Aufruf Wir sind Bochum. Nazis sind es nicht [pdf], von uns fürs Bündnis gegen Rechts formuliert, von Eden und Team in Form gebracht, von Vielen zehntausendfach in der Stadt verteilt und mehrtausendfach unterschrieben. Von A wie

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Ziemlich deutsch, das Ganze und frei von der Angst, dass einem die Nazis auflauern würden. Aylas KULTURAGENTÜER hatte Tausende nichtdeutscher Deutsche eingeladen, zusammen mit deutschen Deutschen gegen doitsche Doitsche zu protestieren  –  eine plausible Form neuer Übersichtlichkeit, am Ende standen 3000 Nazi-Gegner auf dem Platz. “Ein starkes Signal”, so die Presse. Das war im Oktober 2008, seitdem hat es die NPD nicht mehr versucht, nur Pro-NRW hat sich noch eigens blamiert.

Und das bedeutet eine Menge: Bevor Bochum Kulturstadt wurde, war es “Gau-Hauptstadt” der Nazis gewesen, anschließend hatte die NPD ihre Bundes-, dann Landeszentrale in dieser Stadt. Das Nazi-Haus wurde inzwischen zwangsversteigert und abgerissen, der Schoß ist unfruchtbar.