Die zwei Seiten einer Mauer

"Mauergeschichten" | Ausstellung

Seija Ulkuniemi ©

Neulich wieder, Tagesschau: Die Berliner Mauer im selben Atemzug genannt wie die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland. Als sei es dasselbe, ob ein Flüchtling kommt oder ein Terrorist. Ob jemand die Freiheit sucht, um sie zu genießen, oder einen Schulbus, den er in die Luft jagen will. Ob jemand einen Club aufsucht, um zu tanzen oder um alle, die tanzen, zu ermorden. Weiterlesen

Tag des Friedens am Platz des europäischen Versprechens

Vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg

Namen auf dem Platz des europäischen Versprechens | Foto Lutz Leitmann, Stadt BO

1931 wurde im Turm der Christuskirche Bochum eine Gedenkhalle eingerichtet. In ihr sind die Namen von 1358 Bochumern gelistet, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Jeder Name ist Buchstabe für Buchstabe in ein goldenes Mosaik gelegt. Wenn man die vielen Namen liest, kann man Europa in ihnen hören: Manche klingen französisch, andere russisch, jeder dritte Name  –  hier ist Ruhrgebiet  –  klingt polnisch. Neben den Bochumer Namen eine zweite Liste, auf ihr die Namen von 28 Staaten  –  den „Feindstaaten Deutschlands“.  Weiterlesen

“I know what I’m not”


Großer Song. Madonna hat viel Prügel bekommen für “Madame X”, dabei hat sie die Idee des Pop beatmet. Dass es nicht darum geht, so zu sein, wie man ist, sondern auch anders sein könnte. Derzeit ist diese Idee nicht eben en vogue, man möchte lieber identisch sein mit sich selbst. Was ein  –  auch ästhetisch fatales  –  Nullsummenspiel ergibt: Identität ist ein anderes Wort dafür, den eigenen Grabstein zu beschriften. Pop dagegen war immer die Idee, mit Identitäten zu spielen. Sich einzufühlen in den Anderen, biblisch gesprochen: Fühle deinen Nächsten wie dich selbst. Madonna: “I will be gay, if the gay are burned. I’ll be Africa, if Africa is shut down. I’ll be Islam, if Islam is hated. I’ll be Israel, if they’re incarcerated. I’ll be a woman, if she’s raped. I know what I am (God knows what I am). And I know what I’m not (and He knows what I’m not). Do you know who you are?”

33 325 … 483 … 1,5

Spielzeit 18/19: Christuskirche in Zahlen

Christuskirche Bochum by Achim Bednorz (c)

69 Kulturveranstaltungen, 33.325 Besucher. Das die Eckdaten unserer jüngsten Spielzeit von September 2018 bis Juni 2019, gezählt nach verkauften Tickets. Das Konzept für eine Kirche der Kulturen hatten wir 2005 entwickelt, erstmals haben wir jetzt, und das deutlich, die Marke von 30.000 Besuchern übersprungen. Im Schnitt macht das 483 je Abend, es ist die für das Booking entscheidende Zahl: Das Kulturprogramm der Christuskirche ist ja nicht  –  und soll es nicht sein  –  auf Auslastung angelegt.  Weiterlesen

Selbstbildnis mit Bonhoeffer: BDS am Rand des Kirchentags

Leere Bank: Einziges Relikt des Kirchentages beim “Thementag” mit BDS | Foto thw

Die Stadt Dortmund hatte darum gebeten, das Land Nordrhein-Westfalen, der Bundestag: Hört auf, BDS zu promoten. BDS, heißt es im Bundestagsbeschluss, ziele auf die „Brandmarkung israelischer Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens“, die Kampagne sei „scharf zu verurteilen“. Der Evangelische Kirchentag, vor zwei Jahren noch indifferent gegenüber BDS, hat jetzt entschieden reagiert und zwei BDS-Promoter vom Platz gestellt. Die daraufhin  –  als seien sie von Assad verfolgt  –  „Asyl“ erhalten haben in einer Dortmunder Gemeinde. Ulrich Duchrow, einer der beiden Deplatzierten: „Meine Frau arbeitet seit Jahren in der Asylarbeit, ich war mehrfach direkt beteiligt, ich hätte nie gedacht, dass ich selber einmal ins Kirchenasyl müsste.“ Das war ernst gemeint. Ein Selbstbildnis des BDS? Hier eine Bildbeschreibung: Weiterlesen

War Jesus auf dem Kirchentag?

Ein Film von Christoph Böll, Interviews Ayla Wessel


Trailer zu “Vere homo”,der Film ist von Christoph Böll, die Interviews hat Ayla Wessel geführt, gefragt wurden Dortmunder. Bekannte und weniger bekannte, Kay Voges ist dabei und Sabine Brandis, Stefan Keim und Fritz Eckenga, vor allem aber Nonames mit Gesicht und einer Antwort auf die Frage: Kommt Jesus auch zum Kirchentag? Und dann … man sieht und hört und schließt ins Herz, ob sie nun fromm sind oder lästern, gewiss sind oder zweifeln, das hier ist nur ein Trailer. [Den kompletten Film (90 min, 10 €) gibt es bei Böll-Filmproduktion.] 

Perfect Day

Tom Gaebel & Orchestra | 29. August

Tom Gabel by Christopher Kassette (c)

Intonation und Phrasierung, Jazz-Sentiment und Pop-Gestus, großes Entertainment und sublime Grandezza  —  und das aus Gelsenkirchen? Ja, Gaebel aus GE beweist, dass es das, was eine liberale Gesellschaft am nötigsten hat, weil es alle verbiesterten Fundis verspottet  –  Leichtigkeit, Zuversicht, gute Laune  –  dass es das überall gibt und jeden Tag: Der perfekte Tag jedenfalls bricht immer da an, wo Gaebels Karriere begann, morgens unter der Dusche. Abends dann in die Christuskirche, hier alle Infos und Tickets zum Konzert.

Brandt Brauer Frick

"Echo" live am 15. November | VVK läuft

Daniel Brandt, Jan Brauer, Paul Frick by Max Parovsky (c)

Techno, klassisch instrumentiert. Klassik, von Techno inspiriert: „Als wir anfingen, hatten wir nur ein Mikro und ein kaputtes Klavier.“ So begann die Affäre zwischen Techno und Klassik, sie dauert an: Brandt Brauer Frick stellen ihr neues Album bei uns vor, es wird ein urban urtyp spezial! Tickets gibt es überall und hier bei uns und am besten per Mail an tickets@urbanurtyp.de Hier alle Infos zum Konzert.

BDS stumm geschaltet: Der stille Beschluss von Bochum

Leere Regale: Micha Ullmans Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 auf dem Bebelplatz Berlin | Foto (cc) by Luis Alvaz

Der Rat der Stadt Bochum hat  –  ohne Aufhebens darum zu machen  –  der BDS-Kampagne alle Türen gewiesen: „Nein zu Antisemitismus“ ist der Ratsbeschluss betitelt, getragen wird er von allen Mitgliedern aller Fraktionen mit Ausnahme der beiden NDP-Nazis: „Der Rat der Stadt Bochum verurteilt jegliche Form von antisemitischem und antiisraelischem Denken und Handeln, insbesondere auch das Wirken der Boycott-, Divestment- und Sanctions-Bewegung (BDS-Kampagne).“ Und: „Der Rat fordert die Verwaltung und die stadtnahen Gesellschaften auf, alles im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu unternehmen, um der BDS-Bewegung ebenso wie allen Gruppierungen, die eine grundsätzlich antiisraelische und damit antisemitische Haltung haben, keine Einrichtungen und Räumlichkeiten für ihre Veranstaltungen und sonstigen Zwecke bereitzustellen“. Zu den stadtnahen Einrichtungen zählen in Bochum ua die Jahrhunderthalle, zentraler Spielort der noch bis 2020 von Stefanie Carp kuratierten Ruhrtriennale, sowie der RuhrCongress: Hier will am 18. und 19. Juni die britisch-australische Band Dead Can Dance auftreten, deren Kopf, Brendan Perry, sich mit einiger Vehemenz an der BDS-Hetze beteiligt.

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Genesis, Gabriel, Klassik-Genre

The Watch | Gabriel Era | 24. Mai

Eigentlich gibt es bei uns keine Tributes, uneigentlich schon, das gesamte Klassik-Genre ist nichts anderes, auch sie spielen nach. Insofern lautet die Frage: Sind die frühen GENESIS nicht selber bereits Klassik? Hier alle Infos zum Konzert mit THE WATCH, es ist die Band, die Steve Hackett meinte, als er sagte: “I recommend them.”

Seven Soul

Donnerstag 23. Mai

Seven by Sven Germann (c)

Er wird wieder und wieder mit Prince verglichen, die Latte liegt extrem hoch, und das heißt, sie wurde von denen, die ihn gehört haben, so hoch gelegt. Seine Tour jetzt spielt er, Stadt für Stadt, ua mit Thomas D, Wolfgang Niedecken, Stefanie Heintzmann, Gregor Meyle, Laith Al-Deen … und in Bochum mit Roman Lob. Alle Infos und Tickets hier.

Versprechen auf Freiheit

Europäische Flüchtlingspolitik | 15. Mai

Migrants in Hungary 2015 Aug by Gémes Sándor / SzomSzed (cc)

Es sind die Migranten, die Europa lieben, die dem Versprechen auf Sicherheit und Freiheit vertrauen. Diskussionsabend ua mit Berivan Aymaz, MdL für Die Grünen. Alle Infos hier

Volker Beck und die Freiheit (von) der Religion

Stadt des europäischen Versprechens | 10. Mai

Volker Beck by Sabine Hahnefeld (c)

Religion ist überholt, die Gesellschaft säkularisiert, das Thema durch? Ein Blick in die Zeitung, es geht um das Kopftuch in der Schule und das Kreuz im Gerichtssaal, um Arbeitsrecht und Kinderehe, ums freie Bekenntnis und freie Gotteslästerung, um religiös getunten Terror und Terror gegen die, die sich religiös verstehen … Europa, sagt Volker Beck, braucht eine durchdachte Religionspolitik. Weiterlesen

Jochen Gerz – ein Café-Gespräch

Stadt des europäischen Versprechens | 9. Mai

Jochen Gerz mit Joel Epalle vom VfL Bochum 2010 in der Christuskirche | (c) Sabitha Saul

“Wo liegt Europa? Gibt es einen Ort in unserem Herzen, der diesen Namen trägt?” Jochen Gerz hat diese Frage gestellt in einer Zeit, in der Europa zeitlos erschien. Das hat sich geändert, Europa steht zur Wahl. Also sprechen wir über uns, der Platz des europäischen Versprechens liegt im Herzen der Stadt. Ein Café-Gespräch mit Jochen Gerz, er zählt zu den wichtigsten Künstler der Gegenwart, mit dem Direktor des Kunstmuseums Hans Günter Golinski und dem Kulturchef der WAZ, Jens Dirksen. // Beginn: 17 Uhr! Alle Infos hier klicken.

Poetry Slam “Mein Europa”

Stadt des europäischen Versprechens | 8. Mai

Europäisches Parlament, Straßburg | (cc) Diliff

„Man kann sich in Europa über eine Verordnung zum Krummheitsgrad einer Banane ärgern. Ich persönlich fand die Jahrhunderte davor voller Kriege noch etwas ärgerlicher.“ Poetry-Slam ist das literarische Live-Format, es bringt, was hoch ist, auf Augenhöhe. Weiterlesen

Bilder von morgen

urbEXPO im Schlegel-Haus | 1. - 19. Mai

urbEXPO in den Schlegelkeller | Foto thw

Biographische Bruchstücke, zerfallene Welten, kein Mensch auf keinem der Fotos: Die “Ästhetik des Verfalls” – jährliches Thema der urbEXPO im Schlegel-Haus gegenüber – ist ein memento mori, sie lehrt bedenken, dass wir sterben müssen. Oder genauer: Sie lehrt sehen, dass wir gestorben sein könnten. So kurz vor der Europawahl ist das ein unmittelbar politischer Blick, er lehrt sehen, dass auch wir, wir Europäer, aus den Bildern von morgen verschwunden sein könnten. Und dann kommt man aus dem Schlegel-Keller zurück ans Licht und steht vor der Frage: Wäre Europa tatsächlich zerschlagen, wie sähen wir uns selber an?

Stadt des europäischen Versprechens

Europa-Tage 8. - 10. Mai

Platz des europäischen Versprechens, Eröffnung Dezember 2015 | Foto Sabitha Saul (c)

„Wo liegt Europa? Gibt es einen Ort in unserer Imagination, der diesen Namen trägt? Gibt es eine verborgene Stelle in unserem Herzen?“ Die Frage ist von Jochen Gerz, er hat sie uns vor Jahren gestellt in einer Zeit, in der Europa zeitlos erschien und Frieden in Europa so selbstverständlich wie Tag und Nacht. Seitdem hat sich vieles geändert, Weiterlesen

Und das alles aus? Den Alpen.

Herbert Pixner Projekt | 4. Mai

Herbert Pixner by Sinnesbichler-de (c)

Blues? Ja. Folk? Ja. Rock? Ja. Auch Jazzrock? Ja. Worldmusic? Ja. Klassik? Ja. Volksmusik? Auch das. Dance? Sicher. Trance? Ja doch, und das alles aus? Den Alpen. Mit einer steirischen Harmonika. Einem Instrument, das so ähnlich und vor allem so eigen ist, wie es das Klavier des Bergmanns war, das Bandoneon. Womit gesagt ist: Herbert passt zu Bochum wie die Harfe  –  auch sie ist Teil von Pixners Combo  –  zur E-Gitarre und alle zusammen zur steirischen Harmonika. Ziemlich verrückt, das Ganze, definitiv genial. Hier alle Infos zum Konzert.

“Woanders ist auch Himmel”

Interview mit Max Kühlem für bodo 2/2019

Foto | Daniel Sadrowski für bodo 02/2019

Pfarrer Thomas Wessel hat aus der innerstädtischen Christuskirche in Bochum einen spannenden Ort für Kunst, Kultur, Politik und Gedenken gemacht. Immer wieder mischt er sich engagiert in aktuelle Debatten ein. Max Florian Kühlem wollte wissen: Was ist das für ein Typ? Weiterlesen