Frank Martin: Golgotha

Konzert zum Karfreitag | Stadtkantorei, BoSy

Rijksmuseum Amsterdam, Late Rembrandt Exposition 2015, The Three Crosses 1653 (cc)

Untergangsstimmung, Krieg bricht aus. Krieg mit England, es ist das Jahr 1652, und Rembrandt malt, was er sieht, ein Licht-Dunkel-Drama. Menschen, die nicht wissen wohin, in der Mitte drei elendig Leidende, die keine Erlösung versprechen außer der einen: dass solches Leiden nicht geschehen soll. Knapp drei Jahrhunderte später hat Frank Martin  –  den Weltkrieg hat er in der Schweiz überlebt, er sieht den Schrecken in Rembrandts “Drei Kreuze” gespiegelt  –  “Golgotha” geschrieben. Ein Werk zwischen Oper und Passion. Eines, das festhält an der Hoffnung, dass solches Leiden nie wieder sei.  //  70 Jahre nach der Uraufführung im April 1949 führen Stadtkantorei Bochum und Bochumer Symphoniker das Werk erneut auf. Tickets an der Tageskasse, alle Infos hier.

Ich kann beim besten Willen keine SS-Runen entdecken

bds deutschland screenshot

Aktuelle Kampagne des BDS, der anti-israelischen Kulturhetze, die es bei der letzten Ruhrtriennale aufs Podium gebracht hat, die Kampage macht deutlich: BDS ist antisemitisch bis ins Mark. Das Logo des Eurovision Song Contests, der Mitte Mai in Tel Aviv stattfindet, hat BDS exakt so manipuliert, dass im Zentrum des Bildes SS-Runen erscheinen. Israel  –  eine demokratische Republik, Zufluchtsort für die Wenigen, die von SS und ihren Helfern nicht ermordet werden konnten  –  wird von BDS als SS-Staat denunziert: Für BDS ist Tel Aviv ein KZ. Für mich ist BDS faschistisch: Wer so mit SS-Runen hantiert, hat sie ins Herz geschlossen.  Weiterlesen

Anti-Terror-Sperre

Video-Still aus Lea W. Freys “Dylan”, gedreht in Berlin.

Dass die Ewigkeit in den Ramsch geraten könnte, ist eine ewig wunderbare Nachricht. Biblisch gesehen war die Frage ja nie, wie das wohl sei, wenn es ein ewiges Leben im Jenseits gäbe, sondern wie es würde, wäre das ewige Leben heute und hier. So gefragt, bleibt man in der Tat auf Restposten sitzen, auf Kalifaten und 1000-jährigen Reichen, der Ewige sei gelobt.

andere über uns (I)

Sólstafir, gesehen von Sara Fleischer (c)

Metal-Hammer (Foto) und Reflections of Darkness (Text) zum Konzert von Sólstafir: “A very special concert awaited the approximately 850 visitors of the Christuskirche in Bochum on this Thursday evening. However, anyone who thinks of a gospel choir or an organ requiem at a Protestant church could not be more wrong. Instead, SÓLSTAFIR had announced their arrival from Iceland. Those gentlemen who have referred to themselves in the past as ‘Antichristian Icelandic Heathen Bastards’.  Weiterlesen

Großstadt-Pop

Lea W. Frey & Band | urban urtyp #72

Lea W. Frey Band by Dovile Sermokas (c)

Kühl elektrifiziert, subtil harmonisch, eine eismeerklare Stimme, die durch 4 Oktaven in die Stratosphäre steigt. Wo sich der Sound mit dem von Portishead vereinen mag, von Sonic Youth und auch dem von Can, den alten Krautrockern. Aber natürlich spielen sie alle hienieden, an den Drums sitzt Andi Haberl von THE NOTWIST, an den Saiten arbeiten zwei Jazzer, die eruptiven Sounds rührt Liz Kosack an, Ambient-Künstlerin aus NY. Das Ganze ergibt? Weiterlesen

Popstars des Jazz

Tingvall Trio | Freitag 29. März

Martin Tingvall Trio 2017 in der Christuskirche by Sabine Hahnefeld (c)

Drei Solisten: Martin Tingvall am Piano, Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass, Jürgen Spiegel an den Drums, zusammen eine Liveband par excellence. Die sich bewahrt hat, was entscheidend ist dafür, überhaupt Musik zu machen: die Lust an dem Moment, in dem man sich selber über die Wirklichkeit hinaus spielt. TT entbinden eine Energie, die einen  —  nein, nicht „mitreißt“, mit so einem Wort schmücken sich Kirmesbands  –  die einen enthebt. Der Pop-Effekt, er ist großartig. // Alle Infos zum Konzert Weiterlesen

“Verstehen, was ich glaube”

Nathan Gray | Ausverkauft


“So I give what I have left / Tonight / I give it all back without a fight / And I already lost my mind so many times …” Nathan Gray, Stimme von Boysetfire, jetzt solo. Was mit Sicherheit keine Evangelisation werden wird, keine Belehrung und keine Bekehrung in diese oder jene Vorstellungswelt hinein. Im Interview mit Sebastian Bartoschek hat Gray einmal erzählt, er habe, christlich erzogen, von klein auf gelernt, “dass ich verstehen musste, was ich glaube und nicht nur sage, dass ich dieses oder jenes bin”. Willkommen!  //  Infos zum Konzert

Laibach !

"The Sound of Music" | 23. März

Laibach 2017 in der Christuskirche | (c) Sabine Hahnefeld

Honke Rambow ist Laibach-Exeget, zum jüngsten Album des slowenischen Künstlerkollektivs schreibt er: “Sie haben es wieder allen gezeigt. Nicht nur, dass sie in Nordkorea aufgetreten sind. Nach dem Nietzsche-Album, dessen raunendes Industrial-Ambient die ewiggestrigen Fans in Sicherheit wiegte, haben Laibach mit ‘The Sound of Music’ ein Album veröffentlicht, das wieder mal fast alle vor den Kopf stößt. Die Laibach-Versionen der Musical-Songs scheinen an manchen Stellen fast noch kitschiger als das Original.” Weiterlesen

Kroke !

Konzert zum Tag des Friedens | 1. September

Kroke by Jacek Dylag (c)

Kroke spielen das Konzert zum TAG DES FRIEDENS am Platz des europäischen Versprechens. Am 1. September jährt sich der Tag, an dem der II. Weltkrieg begann, er jährt sich zum 80. Mal. Hier alle Infos zum Konzert, Vorverkauf hat jetzt begonnen!

Sense-Metal

Sólstafir | 14. März

Sólstafir by Snorri Sturluson (c)

Diese Herren von Geigen umgeben? Denkbar? Hörbar, die isländischen Haudegen gehen dahin, wo der Sinn so friedlich neben ihrem Metal liegt wie der Wolf neben dem Schaf. Oder umgekehrt, hier alle Infos zum Konzert.

Michael Wollny, Heinz Sauer und ein improvisierender Gott

15. März | Eine urban urtyp edition

Michael Wollny und Heinz Sauer 2013 in der Christuskirche | (c) Heinrich Brinkmöller-Becker

Alle denken immer, wenn es Gott gibt, müsse er allmächtig sein und wisse seit ewig, wie es ausgehen wird mit uns. Wenn man Wollny & Sauer zuhört, lässt sich Gott anders denken: Könnte es sein, dass auch Er improvisiert? „Ein Improvisator“, schrieb Michael Wollny kürzlich in einem Essay, „bereitet sich ein Leben lang auf Situationen vor, in denen er Dinge zum ersten Mal macht. Und in denen Dinge, wenn sie einmal gesagt sind, nicht mehr zurückgenommen werden können.“ Das Urmodell einer Improvisation wäre also: Es werde Licht, es ward Licht, und es ging nicht mehr aus  –  Gott ein Jazzer? Der vorhersehen konnte, dass er nicht vorhersehen kann? Dann wäre er das Risiko eingegangen, dass es auch schief gehen könnte, dass es keine Auflösung gibt in Dur und keine Erlösung im Himmel. In der jüdischen Theologie ist der Gedanke nicht neu, für die Kunst hat Wollny ihn so formuliert: „Die Kunst eines Improvisators beruht auf einer souveränen Entscheidung, sich Situationen auszusetzen, die man nicht bis ins letzte Detail überblicken will oder vorformulieren muss.“ Situationen also, in denen ein Souverän lernen muss zu improvisieren. Weiterlesen

Kein Karneval

Bohren & der Club of Gore | Rosenmontag

Bohren im Licht, gesehen von Kim von Coels

Es wird dunkel sein wie unter Tage, und dann wird jeder Ton sehr einsam durch die Dunkelheit schlurfen und sich seine Hörer suchen. Und dann? Werden eine Menge Hörer da sein. Bohren sind Kult, Bohren am Rosenmontag sind urban urtyp, der Vorverkauf läuft. Anders als die Band selber, sie gilt als die langsamste der Welt. Ist aber gerade deshalb in der Lage, das Kino einzuschalten, das im eigenen Kopf läuft. Und langsam zu spielen, darauf sei hier einmal verwiesen, kann virtuoser sein als überschallschnelle Jonglagen.  //  Hier alle Infos zu dem Kein-Karneval-Kult 

Brian Fallons Gesangbuch

"Songs from the Hymnal" | ausverkauft

Brian Fallon (c)

“If your prayers don’t get to Heaven, I’m gon’ keep them safe for you.” Schöne Liebeserklärung, schöne Theologie: zu glauben, dass jeder Mensch  –  jeder liebende Mensch  –  in der Lage sei, Gebete, die an Gott adressiert sind, zwischenzulagern … “If your prayers don’t get to Heaven, I’m gon’ keep them safe ‘til they do.” // Hier der Song, Fallons Abend bei uns ist ausverkauft.

Rendezvous mit Marlene

Ute Lemper | Freitag 15. Februar

Ute Lemper by Eric Richman (c)

Sie hat Goebbels blamiert und GIs begeistert, in der Bundesrepublik wurde sie geschmäht, in Israel gefeiert: Als Marlene Dietrich im Mai 1960 für 10 Konzerte nach Deutschland zurückkam, galt sie als „Vaterlandsverräterin“; unmittelbar darauf gastierte sie in Israel, das Land lag ihr zu Füßen. Sie war die erste, die in Israel in deutscher Sprache sang, der Sprache von Goethe und von Goebbels. Und sie hat in Israel ein neues Lied gelernt und auf Hebräisch eingesungen, „Shir Hatan” heißt es, “Das Lied vom Schakal“. Dieses Lied wiederum Weiterlesen

Chorwerk Ruhr & Jazz

feat. Marc Schmolling Ensemble | 17.02.

(cc) DavidAdan97

Vielleicht waren es nur Sekunden, vielleicht Stunden, eine gefühlte Ewigkeit: Chorwerk Ruhr hatte den letzten Ton von „Nunc Dimittis“ gesungen oder genauer: hatte ihn ausgeatmet und die Christuskirche mit einer derart tröstlichen Stille erfüllt, dass sie da lag wie Schneewittchen im Sarg, und dann … kein Applaus, keine Bewegung keiner Hand, nur diese intensive Stille. Und aus ihr heraus ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit, die niemandem galt und sich an keinen wandte, die einfach da war „ohne Absender und ohne Anschrift; wie eine kleine, nicht unangenehme Verwirrung“. So war es im April des letzten Jahres, als Chorwerk Ruhr sein Konzert beschloss, das Konzert jetzt schließt daran an: Florian Helgath folgt dem „Sound of Silence“, es begegnen sich Madrigal und Jazz, Renaissance und Gegenwart, das Ungesagte und Unhörbare. Alle Infos zum Konzert hier, und hier ein Interview mit Marc Schmolling: Weiterlesen

“Tech Tech Tech”

LBT sind urban urtyp #71 | Konzert am 3. März

Sebastian Wolfgruber, Leo Betzl, Maximilian Hirning (v.l.n.r.) | LBT (c)

„Manchmal muss man nicht selbst Musiker sein, auch kein Kritiker, man spürt es als ganz normaler Konzertgänger: das schiere Talent, dieses Charisma, jene aus langer, großer Anstrengung geborene magische Verbindung zwischen der eigenen Persönlichkeit und dem Transport von Musik.” Die SÜDDEUTSCHE schwärmt. Wovon? Von Techno. Von Techno?  Techno ohne Strom. Hier einmal reinhören & sehen, und hier alle Infos zum urban urtyp-Konzert.