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CHORWERK RUHR by Pedro Malinowski

Himmel, Europa hören! Es ist ein promised land, gefüllt mit Erzählen und Erfahren, Klängen und Klagen, Geschichten und Balladen. Sich abschotten hieße, die Welt als Heimatmuseum einzurichten, die Gedankenwelt so groß wie jede Kleinstadt. Aber auch das ist alles schon so oft gesagt, am Ende geht es nie ums Einsehen, sondern ums Einhören, um das Einfühlen.

Beispiel: Ungarn. Weiß jeder sofort, was davon zu halten sei, Grenzzäune, üble Kampagnen, Viktor Orban usw. Und jetzt: Ungarn a capella, ungarische Chormusik. Ganz andere Stimmen, die da herüber wehen, eine Welt tut sich auf:

Der Abend ist dreiteilig angelegt, zu Beginn erklingen geistliche Werke vorwiegend jüngerer zeitgenössischer Komponisten aus Ungarn. Eingefügt ist hier dann aber eine Motette des Spätromantikers  –  und gebürtigen Ungarns  –  Franz Liszt: Dessen geistliche Musik ist äußerst vielfältig, das 1860 komponierte, bis zu achtstimmige „Vater unser“ findet sich, dort dann in lateinischer Fassung und leicht verändert, auch in dessen Oratorium „Christus“ wieder.

Der instrumentale Mittelteil des Konzertes überrascht mit dem Klang des barocken Cembalos. 1978 schrieb György Ligeti, der wohl bedeutendste ungarische Komponist nach 1945, die Solo-Werke „Hungarian Rock“ und „Passacaglia ungherese“. „Hungarian Rock“, das in Untertitel auch „Chaconne“ heißt, verweist wie die „Passacaglia ungharese“ auf barocke Formtypen, die von ostinaten, wiederkehrenden Elementen im Bass bestimmt sind. Im Stil des Jazzrock findet sich in „Hungarian Rock“ ein 4-taktiger beat-betonter Chorus, der den musikalischen Verlauf hochvirtuos aufpeitscht. Getragen von einem typisch ungarischen „Aksak-Rhythmus“ (9/8tel), endet das Stück in einem langsamen Abgesang, der sich als typisch ungarische Volksliedweise zu erkennen gibt. In der „Passacaglia ungherese“ existiert ebenfalls eine ostinate Schicht. Die Melodie selbst trägt mit ihrer modalen Harmonik und ihren Vorschlagstönen dabei alle typischen Merkmale des Ungarischen.

Der vokale weltliche Schlussteil des Konzertes greift mit Zoltán Kodálys Chorwerk „Bilder aus der Matra-Gegend“ (1931) und Bártoks „Vier ungarischen Volksliedern“ (1930) auf das Zentrum ungarischer Chormusik zurück. Dezidiert an echter ungarischer Volksmusik orientiert, lösten diese Komponisten eine regelrechte ungarische Chorbewegung aus, getragen von der pädagogischen Tatkraft Kodálys. Sowohl Bártok als auch Kodály waren Pioniere der musikethnischen Feldforschung und wollten die ungarische Musik vom echten Volkslied aus erneuern. Bártoks Chorsätze zeigen dabei einen Typus der Volksliedverarbeitung, der sowohl dichte polyphone Einarbeitung als auch harsche Dissonanzen zulässt und explizit anspruchsvoll komponiert ist.


CHORWERK RUHR

zählt zu den bedeutendsten Kammerchören in Deutschland. Das 1999 gegründete Vokalensemble entwickelte sich zu einer festen Säule der Vokalkunst im deutschsprachigen Raum. Die außerordentliche Qualität des Chores ist es den speziellen Anforderungen solistischer Besetzungen ebenso gerecht zu werden wie perfekte Verschmelzung des Ensembles im Chorklang.

Seit der Gründung fanden Konzerte mit Musik aus allen Epochen bis zur Gegenwart statt in Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten wie Frieder Bernius, Sylvain Cambreling, Reinhard Goebel, Robin Gritton, Rupert Huber, Susanna Mälkki, Kent Nagano, Peter Neumann, Emilio Pomàrico, Peter Rundel, Marcus Stenz, Bruno Weil und Hans Zender.

Im November 2011 hat der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Florian Helgath die Künstlerische Leitung übernommen. Er sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, neue Chormusik in Bezug auf traditionelle Musikformen zu beleuchten und somit für den Zuhörer vor dem Hintergrund der reichen Musikgeschichte neu wirken zu lassen. CHORWERK RUHR hat er als eines der künstlerischen Markenzeichen der Metropolregion Ruhr und als einer der Spitzenchöre Deutschlands etabliert.

Konzerte mit renommierten Orchestern wie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Concerto Köln, Ensemble Resonanz, l’arte dell mondo, dem Ensemble Musikfabrik, dem Schönberg Ensemble Amsterdam, dem Ensemble Modern, der Jungen Deutschen Philharmonie, den Bochumer Symphonikern, dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Häufige Aufnahmen durch WDR und DLF und Teilnahme an nationalen sowie internationalen Musikfestivals spiegeln. CHORWERK RUHR ist ein Teil der Kultur Ruhr GmbH, kooperiert regelmäßig und in je besonderer Form mit der Ruhrtriennale und wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft Landes Nordrhein-Westfalen.


ZOLTÁN PAD – DIRIGENT

studierte Chordirigieren bei Péter Erdei in Budapest. Dank eines DAAD-Stipendiums verbrachte er im Anschluss ein akademisches Jahr in der Klasse von Michael Gläser an der Musikhochschule in München. 2008 leitete er die Chöre der Zentralen Musikakademie in Peking. Zwischen 2009 und 2014 war er Chefdirigent des Debrecen Kodály Chores, seit 2014 ist er Leiter des Ungarischen Rundfunkchores.

Im Juli 2016 übernahm er bei den Salzburger Festspielen die Einstudierung des Ungarischen Rundfunkchores bei der Uraufführung von Péter Eötvös Halleluja, mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Daniel Harding.

Einstudierungen und Assistenzen übernahm er in den vergangenen Jahren für Sir Simon Rattle, Helmuth Rilling, Pier Giorgio Morandi, Ennio Morricone, Zoltán Kocsis, Tamás Vásáry, György Vashegyi, Gergely Kesselyák, Iván Fischer, Ádám Fischer, Martin Haselböck und Howard Arman.

Bei der Aufführung großer oratorischer Werke kam es in der Vergangenheit zur Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Orchestern wie dem Symphonieorchester des Ungarischen Rundfunks, den Kodály Philharmonikern, dem Orchester der Staatsphilharmoniker von Oradea und dem Symphonieorchester Alba Regia.

Mit dem Kodály Chores dirigierte er die ungarischen Erstaufführungen Konzert für Chor von Alfred Schnittke, Der versiegelte Engel (Zapechatlennyi angel) von Rodion Schtschedrin und das Oratorium The Company of Heaven von Benjamin Britten. Mit diesem Ensemble erhielt er im Dezember 2012 den Prima-Preis. Im März 2007 gewann er den Publikumspreis und einen Spezialpreis beim 4. Internationalen Wettbewerb für junge Dirigenten / International Competition for Young Conductors der European Choral Association – Europa Cantat. Seit 2005 unterrichtet er Chordirigieren am Kodály Institut der Liszt-Akademie in Budapest.

Von 2009-2014 war er Mitglied des künstlerischen Beirats des Internationalen Béla Bartók Chorwettbewerbes in Debrecen und 2013 und 2014 leitete er den Wettbewerb als Künstlerischer Leiter.


PROGRAMM

József Karai (1927-2013)
_ De profundis (1981) | 5’30”

Franz Liszt (1811-1886)
_ Das Vaterunser (1869) | 7’50”

Péter Zombola (*1983)
_ Libera me (2009) | 2’

György Orbán (*1947)
_ Chiaro (2006) | 2’

Lajos Huszár (*1948)
_ Strafe mich nicht in deinem Zorn (2014) | ca 6’

Márton Levente Horváth (*1983)
_ O salutaris hostia (2005) | 3’

Levente Gyöngyösi (*1975)
_ Cantate Domino | 2’10”

György Ligeti (1923-2006)
_ Hungarian Rock (1978) – für Cembalo | 5’10”

György Ligeti
_ Passacaglia ungherese (1978) – für Cembalo | 5’

Béla Bartók (1881-1945)
_ Négy magyar népdal (Vier ungarische Volkslieder) | 12’

Barna Szabó (*1976)
_ Lachrymarium / 1. Ye heavy states of night, 6. Come, heavy sleep | 4’

Zoltán Kodály (1882-1967)
_ Mátrai képek | 11’30”

 

CEMBALO und ORGEL: Christian Rieger
CHORWERK RUHR
DIRIGENT: Zoltán Pad

 


CHORWERK RUHR | Balladen und andere Geschichten

>> Sonntag 18. November | 17 Uhr
>> Einlass 16:15 Uhr
>> VVK 22 € zzgl. Gebühren | 1/2 Preis für alle bis 25 Jahre
>> Tickets in allen VVK-Stellen bundesweit oder direkt hier bei uns ordern

Eine ChorWerk Ruhr Produktion in Kooperation mit der Christuskirche Bochum und dem Kulturbüro Bochum. 

 

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