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Chorwerk Ruhr by Pedro Malinowski (c)

Eine Stimme verschwebenden Schweigens. In dieser Stimme, sagt die Bibel, begegne Gott. Nicht im Donner, nicht im Blitz, in keinem Feuer, keinem Sturm: Biblisch besehen steht einer wie Zeus als Zauberer da, ein Krachmacher, der nach Dezibel giert (allein das Wort Dezibel klingt so, als handele es sich um einen vorzeitlichen Fruchtbarkeitsgott). In der Bibel wird es zwar auch ab und an laut, die Naturgewalten aber werden, sobald es um Gott geht, auf Null gedimmt: die vier Elemente verstummt, die Extreme beruhigt, der Wolf liegt neben dem Schaf. Niemand brüllt herrisch, kein verzweifeltes Klagen, keine bedrängte Kreatur.

Und was dann, wenn es einmal dahin käme, dass keine Kreatur länger seufzt, was dann erklingen könnte, es könnte klingen, wie die Stille klingt. Womöglich hängt der Himmel auf Erden gar nicht voller Geigen und wird auch nicht von Heerscharen besungen, sondern es könnte, hört man der Bibel zu, eine sabbathischer Ruhe sein. Könnte sein wie das Ruhen Gottes nach all den fruchtbarkeitsfrommen Dezibeln. Der Klang, der zu sich selber kommt, verschwebt im Schweigen.

Höher also  –  das sollte mit diesem Intro deutlich werden  –  höher lässt sich der Anspruch nicht schrauben, den Chorwerk Ruhr stellt. An sich selber, an uns, an den Glauben an das, was menschliche Stimmen können. Die göttliche Stille zum Klingen bringen? Die Idee dieses Konzerts: Es sucht die Stille zwischen den Extremen, nicht an den Rändern, sondern in der Begegnung, und das heißt hier zunächst und sehr konkret: Die Welt des Madrigals begegnet dem Jazz.

Das Madrigal ist eine Vokalform der Renaissance, eine empfindsame. Der Jazz, wie Marc Schmolling und sein Ensemble ihn spielt, ist gegenwärtig. Texte leiten, sie stammen von Inka Machulkova und Georg Trakl, es geht um „Ticho“, tschechisch für „Stille“: Instrumentales, Klangschichtungen, Textdeklamation und Vokalisen treffen auf tradierten Chorgesang, Frühbarockes auf Zeitgenössisches, Komponiertes auf Improvisiertes. Und jetzt ein wenig in die Details:

Die Welt der Madrigale wurde von den drei Hauptvertretern des italienischen Frühbarocks  –  Claudio Monteverdi, Carlo Gesualdo, Luca Marenzio  –  eingerichtet, sie haben die Kompositionsregeln ihrer Zeit bewusst zugunsten des Textausdruckes verletzt. Sprache wird hier zur „Herrin“ der Musik. Und kann richtiggehend weh tun, wenn etwa Monteverdi in „Cruda Amarilli“ die Dissonanzen des Liebesschmerzes nicht mehr auflöst, sondern sie gegen alle Regeln seiner Kunst stehen lässt. Der Liebesschmerz findet im späten Madrigal seinen besonders intensiven und individuellen Ausdruck gerade auch in der modern klingenden Harmonik eines Gesualdo: In dessen „Io tacerò“ wird das trotzig behauptete Schweigen von den Tränen und dem Klang des Seufzens verdrängt.

Das ist das eine, das andere sind der Tod und der Traum, die Motive der Stille. In Monteverdis „Cruda Amarilli“ stirbt der Klagende am Ende schweigend. In „Tränen des Geliebten am Grabe seiner Geliebten“, ebenfalls von Monteverdi komponiert, ist der in die Stille geführte Klang das erschreckende Zentrum des Werkes ebenso wie die Pausensetzungen beim Betrachten des Grabes, die Totenstille. Wenn der Mensch schweigt, hört er die Stille, die zur Natur werden kann, wunderbar lautmalerisch ist dies in Monteverdis „Ecco mormolar l’onde“ dargestellt, ebenso wie andererseits der Madrigalist Marenzio mit dem nachklingenden Echo, dem Nachlauschen in die Stille hinein, in „O tu che fra le selve occulta vivi“ einen beredten Dialog des Menschen mit seinem eigenen Schweigen erzeugt …

Hello silence  –  um „The Sound of Silence“, den Song von Simon & Garfunkel, den jedermensch kennt, einmal leicht abzuwandeln  –  „hello silence, my friend, I come to talk to you again ….“


CHORWERK RUHR | MARC SCHMOLLING ENSEMBLE
“The Sound Of Silence”

Trompete: TOM ARTHURS
Saxophon: CHRISTIAN WEIDNER
Violine: BILINA VOUTCHKOVA
Klavier: MARC SCHMOLLING
Kontrabass: ANTONIO BORGHINI

CHORWERK RUHR
Dirigent: FLORIAN HELGATH

>> Sonntag 17. Februar 2019 | 17:00 Uhr
>> Einlass 16:00 h
>> Einführung 16:30 h
>> Tickets 22 / 11 €
>> Ermäßigung gilt für alle bis 25 Jahre
>> Tickets können Sie hier bei uns online ordern!

Eine ChorWerk Ruhr Produktion in Kooperation mit der Christuskirche Bochum und dem Kulturbüro Bochum. 

 

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