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Jungstötter | urban urtyp #74

27. Oktober, 19:00

Jung­stöt­ter aka Fabi­an Alt­stöt­ter ©

Das größ­te Pro­blem, das Fabi­an Alt­stöt­ter hat, ist ein Eti­kett, auf die­sem hier steht: „Der deut­sche Nick Cave“. Nein. Ist er nicht. Es gibt kei­nen deut­schen Nick Cave, es gibt Fabi­an Alt­stöt­ter aus Land­au in der Pfalz, das ist die Sto­ry, sie ist gut. Nick Cave kam aus War­rack­na­be­al.

Aus Land­au-Pfalz kamen Sizarr, Indie-Rock-Band mit etwas Punk in den Bio­gra­phi­en und das zu einer Zeit, als Punk per­du war und zwar längs­tens. Vor zehn Jah­ren etwa stieß Fabi­an Alt­stöt­ter zu Sizarr, die Band  —  P.A. Hül­sen­beck an den Synth, Marc Übel an den Drums  —  hat­te Erfolg, spiel­te zwei hoch­ge­lob­te Alben ein, spiel­te die gro­ßen Fes­ti­vals und lös­te sich auf. Punk eben. Indie sein. Das allein ist eine Sto­ry, sie erin­nert an The Bir­th­day Par­ty, die Band, die Nick Cave auf­ge­löst hat, ist aber alles nur ein Kapi­tel. Nächs­tes:

P.A. Hül­sen­beck geht solo, Fabi­an Alt­stöt­ter geht es auch, er nennt sich ab jetzt Jung­stöt­ter, Jung-schtöt­ter gespro­chen. Iro­nie? Passt eigent­lich nicht, dem iro­ni­schen Zeit­al­ter ist er ent­wach­sen. Was dann? Fabi­an aus Land­au geht wie Nick aus War­rack­na­be­al nach Ber­lin, da lebt er jetzt  —  kennt jemand den „Fabi­an“ von Käst­ner? könn­te auch pas­sen  —  und wir hören mal rein, wie sich solch ein Wan­del in Ber­lin betex­tet:

„Die Klei­der haben an Far­be ver­lo­ren, die Män­tel sind län­ger gewor­den, die Haut ist gesto­chen von mor­bi­den Fan­ta­si­en. Ein Wan­del voll­zieht sich, aus Alt­stöt­ter wird Jung­stöt­ter. Die Melan­cho­lie ist noch da, und aus dem Kokon des jun­gen Sän­gers ist ein weit gereif­ter Erzäh­ler ent­puppt.“

So hat Hen­drik Otrem­ba   —  Mes­ser? Mes­ser!  —  den Wan­del beschrie­ben. Um kurz den Über­blick zu wah­ren: Aus Alt­stöt­ter, einem jun­gen Sän­ger, wird Jung­stöt­ter, ein alt­ge­reif­ter Erzäh­ler. Land­au Ber­lin War­rack­na­be­al, die Geschich­te hat Fahrt auf­ge­nom­men, aber so rich­tig schlüs­sig ist sie an die­ser Stel­le noch nicht. Pas­siert etwas? Dies:

Ers­tes Album. Nein, ers­tes Solo-Album. „LOVE IS“ heißt es, wie­der ein Satz mit ohne schlüs­si­gem Schluss. Rein­hö­ren ins Album, und dann … inne­hal­ten …

Woher die­se Stim­me! Ist das nicht … ? Was für Geschich­ten erzählt sie da jetzt und wie macht sie es, die­se Stim­me? Die­se paar Instru­men­te? Rela­tiv redu­ziert, kein Punk, wenig Pomp. Pop nur schub­wei­se wie klei­ne Aus­brü­che eines Vul­kans, der gleich wie­der in sich sel­ber bro­delt. Selt­sam intro­ver­tiert, die­se Musik, als erzäh­le sie alles sich sel­ber. Pathos, das auf kein Publi­kum schielt. Kein Blüm­chen, kein Deck­chen, kein Land­au in Sicht. Es schmeißt sich nichts an einen ran, die Musik ist sprö­de auf eine Wei­se, die es unmög­lich macht, Ker­zen zu ent­zün­den. Und liegt doch da wie in Ker­zen­licht getaucht.

„Zwi­schen der Schwe­re der Bad Seeds, dem Schmerz Tuxe­do­moons, den alp­traum­haf­ten Song­land­schaf­ten Scott Wal­kers, der Inten­si­tät Neil Youngs und der Zart­heit Marc Hol­lis’“

so beschreibt Hen­drik Otrem­ba die Sitz­ord­nung. Man sitzt dabei und hört und hört … und nach und nach wird es, ja doch, es wird roman­tisch. Das hat man nicht gewollt, das war nicht vor­ge­se­hen, es ist jetzt so. Die­se intro­ver­tier­te Art klei­det so warm und ein­sam ein wie man es nicht mehr gehört seit … seit …

Das größ­te Pro­blem, das Jung­stöt­ter hat, ist ein Eti­kett. Wenn das das größ­te Pro­blem ist, hat die­se Band kei­nes und uu einen mega Act.


JUNGSTÖTTER | urban urtyp #74

Fabi­an Alt­stöt­ter: Vocals/Piano
Phil­ipp Hül­sen­beck: Gui­tar
Johan­nes Weber: Bass
Manu­el Chitt­ka: Drums
Sebas­ti­an Epp­ner: Piano/Guitar

» Sonn­tag 27. Okto­ber
» wie immer 19 Uhr, wie immer nur 10 €
» Tickets gibt es online bei uns (hier kli­cken), noch bes­ser aber direkt bei uns reser­vie­ren: tickets@urbanurtyp.de


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