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Stadtkantorei Bochum | Martin: Golgotha

19. April, 17:00

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Rijksmuseum Amsterdam, Late Rembrandt Exposition 2015, The Three Crosses 1653 (cc)

Untergangsstimmung. Sie gibt es heute, sie gab es zuvor, 1652 beispielsweise in den Niederlanden: Krieg bricht aus, Krieg mit England, und Rembrandt malt, was er sieht: drei Kreuze, ein Licht-Dunkel-Drama. Menschen, die nicht wissen wohin, in der Mitte drei elendig Leidende, die keine Erlösung versprechen außer der einen  –  dass solches Leiden nie wieder sei. 

Knapp drei Jahrhunderte später. Frank Martin hat den Krieg in der Schweiz überlebt, er sieht in Rembrandts “Drei Kreuze” den Schrecken gespiegelt. Und beginnt ein Werk, das bündelt, was er sieht. In seiner Tonsprache, die Bach verehrt und Schönberg respektiert. Ein Werk zwischen Oper und Passion. Eines, das ein millionenfaches Leiden reflektiert und doch festhält an einer Hoffnung wider alle Vernunft  –  dass solches Leiden nie wieder sei.

70 Jahre nach der Uraufführung im April 1949 führen Stadtkantorei Bochum und Bochumer Symphoniker das Werk erneut auf. In einer Zeit, der Untergangsstimmung nicht fremd zu sein scheint. Die Lust, das zu zerschlagen, was man aufgebaut hat.

Martin allerdings hat sein Werk nicht am Karfreitag enden lassen, nicht im Tod. Zum Ende hin reißt er die Himmel auf, sucht er den Lichtstrahl, den Rembrandt auf den Gekreuzigten gelenkt hat. Er tut dies ohne Paränese, es gibt kein Was-wir-daraus-gelernt-haben bei Martin, er hat auch Rembrandt selber nicht so gesehen, sondern so:

“Man sieht auf dem Bild ein seltsames weißes Licht, das senkrecht auf eine düstere Welt fällt, wo unter den drei Kreuzen, an denen Jesus und die beiden Schächer sterben, eine Fülle von Gestalten wie gebannt in gebeugter Haltung verharren. In den ersten Fassungen des Werkes scheinen sie sich sogar von dem Drama, das hier stattfindet, abzuwenden. In der letzten Fassung hat Rembrandt die Gestalten so umgekehrt, daß sie auf das Kreuz zu blicken scheinen. Doch zeigt er sie hier in einer womöglich noch versteinerteren Betrachtung versunken als dort, wo sie offenbar im Begriff sind zu fliehen. Es ist dies vielleicht Rembrandts stärkstes Werk, zumindest aber dasjenige, das am stärksten von seinem Geist geprägt ist. Auf diesem kleinen Stück Papier sehen wir die weltgeschichtliche Stunde, da die fundamentale Unvereinbarkeit zwischen unserem materiellen Dasein und der Welt des reinen Geistes auf eklatante Weise zum Ausdruck gebracht wird.”

Die “fundamentale Unvereinbarkeit” zwischen Materie und Geist hat Konsequenzen für Martin und seine Art zu komponieren:

“Wenn man mit einem religiösen Kunstwerk umgeht, müssen sich meiner Ansicht nach alle künstlerischen Aspekte – jegliche ästhetischen Vorbehalte und jede Freude des Künstlers an der Beschäftigung mit Stimmen, Klängen und Formen – der inneren Notwendigkeit des Komponisten, seinem eigenen wahren Glauben in überzeugender Weise Ausdruck zu verleihen, unterordnen. Ich bezweifle, dass es viele zeitgenössische Werke gibt, die dem menschlichen Geist auch nur eine einzige religiöse Empfindung vermitteln können, den Glauben zu stärken vermögen oder die Eigenschaft haben, den Zuhörer derart zum Nachsinnen zu verleiten, dass ihm der Hauch einer Offenbarung widerfährt, wenn sie ihn schon nicht ganz einnimmt. Die meisten dieser Werke erinnern uns doch nur an denjenigen, der es geschrieben hat; da können wir dann seinen neuen Erfolg, vielleicht sein neues Meisterwerk bewundern. Das wahrhaft religiöse Kunstwerk jedoch müsste seinen Urheber vergessen lassen.”

Könnte aber vor die Frage stellen, vor die sich Martin gestellt sah, als er Rembrandts winzig kleine Radierung erstmals sah:

“Was mir als Erstes in den Sinn kam, gleichsam als Zusammenfassung dessen, was uns die Radierung Rembrandts sagen wollte, war der Vers: ›O Tod, wo ist dein Stachel? O Hölle, wo ist dein Sieg?‹

 


 

FRANK MARTIN (1890 – 1974) | GOLGOTHA (1945/48)
Oratorium in 2 Teilen für 5 Vokalsolisten, gemischten Chor,Orgel und Orchester

Alexandra Steiner | Sopran
Edna Prochnik | Alt
Michael Pflumm | Tenor
Christian Oldenburg | Bariton
Michael Adair | Bass

Stadtkantorei Bochum
Bochumer Symphoniker
Arno Hartmann, Dirigent

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