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Terem Quartet

25.01.2017 | Zu unserem großen Bedauern müssen wir heute das Konzert des Terem Quartets absagen, einer der Musiker ist erkrankt. Wir hoffen sehr, das Konzert, das seinem Anlass verpflichtet ist, eines Tages nachholen zu können.


 

Ein internationaler Top-Act: TEREM QUARTET gilt als „das dritte Wahrzeichen von St. Petersburg“, seine Musik vermittelt Klassik und Weltmusik, West- und Osteuropa. Nach 3000 Konzerten weltweit werden sie in Bochum ein Konzert geben, dass sie noch nie gegeben haben: Sie spielen zum TAG DER BEFREIUNG VON AUSCHWITZ, dem Tag, an dem die Welt der Opfer des Holocaust gedenkt.  

Das Quartett aus St. Petersburg  —  das berühmteste Folk-Quartett Russlands  —  erinnert ein unermessliches Leid, eine europäische Erfahrung. „Terem“ bedeutet so viel wie „offenes Haus“, in seiner Musik vermitteln sich Klassik und Weltmusik, West- und Osteuropa. Mit traditionellen Folk-Instrumenten besetzt  –  einem Akkordeon, zwei Domras, das sind die russischen Lauten, und  einer mannshohen Bass-Balalaika, sie ist das Wahrzeichen des Quartetts –   bringen sie russische Popular-Kultur in einen eindringlichen Dialog mit der Tradition, der deutschen zumal: Werke von Bach oder Schubert, aber auch bekannte Motive aus Film und Pop werden, in eine andere musikalische Sprache übersetzt, zu einem „Abenteuer in der Fremde“, wie ein Kritiker schrieb.

Vor 30 Jahren hatten vier junge Musiker, als Soldaten in Potsdam stationiert, das Quartett in einer Scheune gegründet, heute  –  nach 3000 Konzerten in 60 Ländern, nach Auftritten mit so verschiedenen Größen wie Giora Feidman, Led Zeppelin oder Mariss Jansons  –  sind sie zu Kosmopoliten geworden und zu einer Institution in Russland: TEREM QUARTET gilt als

„das dritte Wahrzeichen von St. Petersburg“. 

Und damit kommt ein anderer Ton in ihre Musik: Die Millionen-Metropole im Baltikum, das vormalige LENINGRAD, war zwischen 1941 und 1944 von deutschen Truppen eingekesselt und abgeriegelt worden wie ein riesiges KZ: Leningrad sollte ausgehungert werden.

Alte und Kinder, Frauen und Männer, Zivilisten und Soldaten, Christen und Juden und Atheisten, wer immer in der Stadt war, wurde einem zerquälenden Hunger ausgesetzt. Die Lebensmittelvorräte zerbombt, Versorgungswege abgeschnitten … nach 900 ewigen Tagen, am 27. Januar 1944, konnte die Stadt von der Roten Armee befreit werden. Mehr als eine Million Menschen aber sind dem deutschen Genozid zum Opfer gefallen, unter ihnen hunderttausende Kinder. In Leningrad/St. Petersburg haben Soldaten der Wehrmacht ein Verbrechen gegen die Menschheit verübt, eines ihrer grausamsten.

Ein Jahr darauf, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit, das größte aller Lager, deren einziger Zweck darin bestand zu töten: Allein in Auschwitz sind über eine Millionen Menschen ermordet worden, die meisten von ihnen Juden aus ganz Europa. 

Leningrad und Auschwitz unterscheidet viel, die deutschen Namen beider Städte aber stehen für tausende andere in Europa, in denen Nazis und Wehrmacht gemordet haben, sie stehen für Minsk und Majdanek, Kiew und Treblinka, Warschau und Rotterdam, Marzabotto und Kalavrita, Belzec und Bergen-Belsen … für zehntausende Ghettos und Lager und Städte und Dörfer: Die Nazis, deutsche und ihre Verbündeten, haben Europa zum Friedhof gemacht, es ging sehr schnell.

TEREM QUARTET erinnert  –  in einer Zeit, in der sich der Ton in Europa massiv verändert  –  ein unermessliches Leid, eine europäische Erfahrung, es ist eine gemeinsame.

So wie es eine gemeinsame Erfahrung ist, dass es überall in Europa Menschen gegeben hat, die sich dem Nazi-Terror entgegen gestellt haben: Juden, Sinti und Roma, Russen und Ukrainer, Christen und Atheisten …

… die Europäer aller Länder.

Die Mitglieder des TEREM QUARTETs sind Nachgeborene

In allen ihren Familien aber werden Angehörige betrauert, die dem deutschen Verbrechen zum Opfer gefallen sind.

Durchlebt und überdauert hat die Belagerung der Stadt das Wahrzeichen des Quartetts, eine mannshohe Bass-Balalaika: Sie wurde  –  in jenen 900 Tagen, in denen Brennholz überlebenswichtig war, in denen der kleinste Scheit ein paar Stunden Leben verhieß  –  in der Stadt versteckt und vor den Bränden bewahrt, die deutsche Brandbomben entzündet haben: Der Klang dieses Holzes bezeugt, was der Schriftsteller Daniil Granin den “spirituellen Widerstand der Einwohner” genannt hat  –  “das Einzige, was man dem Hunger und der Unmenschlichkeit entgegenstellen konnte”. Granin hatte am 27. Januar 2004 vor dem Deutschen Bundestag gesprochen. Leider kann TEREM QUARTET die große Balalaika nicht nach Bochum zum TAG DER BEFREIUNG mitbringen, Flugreisen sind inzwischen ein zu hohes Risiko für das Instrument.

Für das Konzert zum Tag der Befreiung stellt TEREM QUARTET ein eigenes Programm zusammen, eines, das sie so noch nie zuvor gespielt haben. . Begleitet wird es von kurzen Erinnerungsstücken  –  Auszügen aus Briefen, Tagebuchnotizen  –  aus den von den Nazis errichteten Ghettos in Europa. Zu dem Abend laden wir zusammen mit den Überlebenden der JÜDISCHEN GEMEINDE BOCHUM ein. Da der 27. Januar auf einen Sabbath fällt, findet das Konzert am darauf folgenden Tag statt.

 


TEREM QUARTET | KONZERT ZUM TAG DER BEFREIUNG

MIT
_ Andrey Konstantinov | sopran domra
_ Andrey Smirnov | bayan accordion
_ Mikhail Dzudze | double bass balalaika
_ Alexey Barshev | alto domra

TICKETS
_ 16,00 € inkl. aller Gebühren  |  1/2 Preis für alle bis 25 Jahre
_ Je Ticket gehen bis zu 3 Freitickets an Initiativen, die sich für ein tolerantes Europa engagieren
_ Tickets gibt es direkt bei uns [hier klicken] und in allen besseren VVK-Stellen

MEHR INFOS

“Europäische Erinnerung? Terem Quartet zum Tag der Befreiung”

“Tag der Befreiung”


 

Das Konzert zum Tag der Befreiung wird unterstützt vonekvw-logo-internet

 

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