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Theodor Wonja Michael | (c) Marc Leonhart, Bonn

1935 erlassen die Nazis das “Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre”, ihr “Rassegesetz”, da ist Theodor Michael zehn Jahre alt. Sein Vater stammt aus Kamerun, der ehemals deutschen Kolonie, seine Mutter aus dem preußischen Posen, jetzt gilt der Berliner als “artfremd”. Seinen Pass ziehen die Nazis ein, “staatenlos” zu sein bedeutet, vollkommen rechtlos zu sein  –  und Theodor Michael hat nicht einmal die Chance unterzutauchen: “Wohin hätte ich schon flüchten können mit diesem meinem Gesicht?” Er überlebt die Verfolgung, die harte Zwangsarbeit, die andauernde Angst. Jetzt hat der 89jährige seine Geschichte erzählt: “Deutsch sein und schwarz dazu. Erinnerungen eines Afro-Deutschen” ist kürzlich im dtv-Verlag erschienen.

Zum TAG DER BEFREIUNG wird Theodor Wonja Michael bei uns lesen. Am Mittag des 27. Januar vor 69 Jahren hatten Truppen der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz erreicht und die Wenigen befreit, die das Morden überlebt hatten. Der 27. Januar wird inzwischen weltweit als Holocaust-Gedenktag begangen.

Theodor Michael sind Konzentrationslager erspart geblieben, aber nicht die Zwangsarbeit, nicht der Hunger und nicht die andauernde Angst davor, auf der Straße aufgegriffen und verschleppt zu werden. Dann die Erfahrung, die er nach 1945 machen musste: dass, wer den Nazis entkam, im neuen Deutschland auf keine offenen Arme stieß. Die Nazis waren wie über Nacht verschwunden, ihr Rassismus hat wie selbstverständlich überdauert:

“Die Arbeitsämter bevorzugten ‘deutsche’ Arbeitssuchende. Sie konzentrierten sich auf die aus dem Krieg bzw. der Gefangenschaft heimgekehrten Soldaten, auf Flüchtlinge und Versehrte. Ein nicht deutsch aussehender, staatenloser, nichts könnender Abkömmling eines ehemaligen Kolonialangehörigen war da nicht gefragt. Für potentielle Arbeitgeber trug ich offensichtlich noch immer das Baströckchen aus der Völkerschau.”

Mühsam arbeitet sich Michael “in meinem schwierigen Mutterland” voran, er studiert, etabliert sich als Journalist, wird in den Staatsdienst berufen und schließlich zum “ersten schwarzen Bundesbeamten im höheren Dienst ernannt”. Aber selbst jetzt, Jahrzehnte nach dem Nazi-Terror,

“während meiner gesamten Dienstzeit, begleitete mich der mir gegenüber nie offene ausgesprochene Satz: ‘Integriert, qualifiziert, aber immer verdächtig.'”

Ein Leben, ein Jahrhundert. Als Kind hatte Theodor Michael in sogenannten “Völkerschauen” auftreten müssen, in abstruse Kostüme gekleidet und vorgeführt als ein “exotischer Mensch”.Während der Nazi-Jahre schlug er sich als Komparse bei der UFA durch, im Zentrum der Goebbelschen Macht, und rettete sein Leben damit, dass er in Dutzenden Filmen auftrat, in denen sich Nazis als “Herrenrasse” inszenierten. Eine surreale Situation: Die Farbe der Haut muss erst in Szene gesetzt werden, damit sie über Leben und Tod entscheiden kann. Auch nach 1945 hat Theodor Michael als Schauspieler gearbeitet mit vielen zusammen, “die später große Karrieren machten sollten”  –  seine eigene fiel zwischen die Zeiten: Erst Ende der 80er meldeten sich Theater bei ihm

“und boten mir Rollen an, die ich früher nie bekommen hätte. Zugegeben, es gab in der deutschen Theaterszene nach wie vor kaum Rollen für schwarze Schauspieler. Zwei Rollen hätte ich immer sehr gerne gespielt: Den durchtriebenen Mulay Hassan in Schillers ‘Fiesco’ und Skakespeares ‘Otheollo’. Aber auch dafür wurden lieber weiße Kollegen schwarz geschminkt. Das erste mal, als ich mich für den Otheollo bewarb, wurde ich als zu jung befunden, das zweite Mal als zu alt. Schließlich wurde mir kürzlich die Rolle erneut angeboten, aber da musste ich tatsächlich aus Altersgründen ablehnen.”

Die Theaterwelt, die sich selber als Seismograph des Kommenden sieht, läuft eben auch nur hinterher. Theodor Michael ist, sein ganzes Leben lang, Avantgarde.

 

>> Eintritt 5 Euro [nur Abendkasse]
>> Freier Eintritt für alle bis 25 Jahre sowie für schulische Gruppen

Mehr Infos:

>> “Hagenbecks Traum” | Teil 1
>> “Fabris Hoffnungsbild” | Teil 2
>> “Carl Peters Wünsche” | Teil 3

 

 

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