Kroke: Zum Tag der Befreiung

Konzert & Lesung mit Kosmopolen | 27. Januar 2011 | 20 Uhr

"Neue polnische Musik": KROKE

Kroke

Mit dem Über­fall auf Polen begann der Zweite Welt­krieg. Eine Woche vor­her hatte Deutsch­lands Reichs­kanz­ler „größte Härte“ von sei­nen Sol­da­ten gefor­dert, „Ver­fol­gung bis zur völ­li­gen Ver­nich­tung“. Mehr als sechs Mil­lio­nen pol­ni­scher Bür­ger wur­den ermor­det, drei Mil­lio­nen von ihnen waren Juden. Weit über eine Mil­lion Polen wurde zur Zwangs­ar­beit ver­schleppt, viele von ihnen ins Ruhr­ge­biet. 4 Ver­nich­tungs­la­ger wur­den in Polen errich­tet, 4 Kon­zen­tra­ti­ons– und 1798 Arbeits­la­ger: Kein ande­res Land wurde der­art von Deut­schen heim­ge­sucht wie Polen.

Chris­toph Giese | ruhrjazz.net

Am 27. Januar 1945 wurde das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz, pol­nisch Oświę­cim, von Sol­da­ten der Roten Arme befreit. Seit­dem ist der deut­sche Name des pol­ni­schen Ortes zum Inbe­griff gewor­den für ein Ver­bre­chen, des­sen Unmaß unvor­stell­bar bleibt. Vor fünf Jah­ren haben die Ver­ein­ten Natio­nen den 27. Januar zum „Inter­na­tio­na­len Holocaust-Gedenktag“ erklärt.

Im Bun­des­tag wird der Tag seit 1997 als „Gedenk­tag für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus“ began­gen, im öffent­li­chen Bewusst­sein aller­dings fin­det er nur wenig Beach­tung: Zu schwer las­tet offen­bar die Erin­ne­rung daran, dass es neben unge­zähl­ten Opfern auch unzäh­lige Täter gab.

66 Jahre nach der Befrei­ung von Ausch­witz aber bedeu­tet Ver­ant­wor­tung, sich aller­erst anzu­nä­hern an das, was unbe­greif­lich bleibt  -  es ist, so oder so, die eigene Geschichte: Etwa ein Drit­tel von uns, die heute im Ruhr­ge­biet leben, dürfte pol­ni­sche Vor­fah­ren haben.

Aus die­ser deutsch-polnischen Geschichte her­aus arbei­tet heute die Künst­ler­in­itia­tive KOSMOPOLEN im Revier. Gemein­sam mit ihnen laden wir dazu ein, den 27. Januar als Tag der Befrei­ung zu bege­hen: mit Tex­ten der pol­ni­schen Erin­ne­rung, von den Kos­mo­po­len zusam­men gestellt und gele­sen, und mit der Musik von KROKE, dem pol­ni­schen Trio, das durch Ste­ven Spiel­bergs „Schind­lers Liste“ bekannt gewor­den ist.

Kroke  -  der Name ist jid­disch für Kra­kau, die Stadt war eines der bedeu­tends­ten Zen­tren jüdi­scher Kul­tur, bis die Deut­schen kamen  -  hat eine sehr pol­ni­sche Weise ent­wi­ckelt, die jüdi­sche Tra­di­tion der Stadt fort­zu­set­zen: Die drei bauen ihre Musik auf dem Klez­mer auf, arran­gie­ren und impro­vi­sie­ren das Mate­rial aber so, dass etwas Neues ent­steht, das anders ist als Klez­mer– oder Welt­mu­sik, anders auch als Klas­sik oder Avant­garde, ihre Musik ist kos­mo­po­li­tisch.

Sie sel­ber nen­nen, was sie tun, „neue pol­ni­sche Musik“: sehr redu­ziert und medi­ta­tiv, tech­nisch bril­lant und dadurch reich an Far­ben, an Geschich­ten und Gefüh­len. Musik, die emo­tio­na­les Begrei­fen ermöglicht. //

» Mit Tomasz Kukurba (viol, voc) Tomasz Lato (dou­ble bass), Jerzy Bawol (acc)
» 10 Eur | bis 25 Jahre 5 Euro | Kin­der bis 14 Jahre frei
» Reser­vie­run­gen an info@christuskirche-bochum.de oder kosmopolen@arcor.de

» Der Abend wird unter­stützt von der Stif­tung für deutsch-polnische Zusam­men­ar­beit  /  Pro­jekt wspierany przez Fund­acje Wspolpracy Polsko Nie­mieck­jej sowie dem Pol­ni­schen Insti­tut Düs­sel­dorf.

Artikel am 17. Januar 2011 um 19:28 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


Ein Kommentar

  1. Kommentar #1
    Klaus Matthes | Geschrieben am 11. Februar 2011 um 18:08 | Permalink

    Der Abend war für uns auch des­halb etwas Beson­de­res, weil wir — zufäl­lig? –neben einer Frau sit­zen, die als Klein­kind (1Jahr alt)ein KZ in der Ukraine über­lebt hat. Nach dem Kon­zert kom­men wir mit ihr ins Gespräch. Wir stel­len fest, dass wir beide 1940 gebo­ren sind. Sie erlebt die Unmensch­lich­keit von Krieg und Holo­caust sofort am Anfang ihres Lebens. Und die Zeit nach der Befrei­ung des KZ im Jahr 1944 war für sie eben­falls eine harte Zeit. Wir tau­schen Erfah­run­gen mit­ein­an­der aus.
    Den Krieg und seine Schre­cken erlebe ich als 5 Jäh­ri­ger auf der Flucht aus Ost­preu­ßen über das Fri­sche Haff im Februar 1945 mit Tief­flie­ger­an­grif­fen und vie­len ein­ge­bro­che­nen Wagen im Eis. Mein 1. Besuch eines KZ fin­det eben­falls im Februar 1945 statt — in Stutt­hoff. Dort sollte unser Treck in bereits leer­ste­hen­den Bara­cken über­nach­ten, obwohl im hin­te­ren Teil des Lagers noch Men­schen gefan­gen gehal­ten wer­den. Der Treck wei­gert sich, dort zu über­nach­ten. Dass sich dort noch Häft­linge befin­den, erfahre ich aller­dings erst Anfang der 90er Jahre bei einem Besuch in Stutt­hoff. Von der ver­wei­ger­ten Nacht in Stutt­hoff weiß ich aus den Erin­ne­run­gen mei­ner Mut­ter.
    Gut, dass die Chris­tus­kir­che Bochum den 27.Jan. jedes Jahr so ein­drück­lich begeht. Mei­nes Wis­sens geschieht das sonst nicht im Ruhr­ge­biet. Der 27.Jan. 2012 ist bereits in mei­nem Kalen­der markiert.


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