Gold, Weihrauch und Wollny

Michael Wollny | urban urtyp #15 | 29. Januar 19 Uhr

"Ein Geschenk, wunderbar unerklärlich." Michael Wollny

Michael Wollny | ACT

Die­ser Mensch ist ein Geschenk, zwei­fel­los. Ein „Wun­der­kind“ sei erschie­nen, hieß es, die wei­sen Kri­ti­ker stau­ten sich stau­nend ums Kla­vier herum, auch die weise FAZ: „Sel­ten ein­mal hat man sol­che Aus­wei­tun­gen des kon­ven­tio­nel­len Kla­vier­spiels fol­ge­rich­ti­ger aus dem for­ma­len Ablauf der Impro­vi­sa­tio­nen ablei­ten kön­nen wie im Spiel von Wollny.“ Wie wahr. Wenig spä­ter staunte die wei­ter­hin weise FAZ, dass ein Wun­der­kind einen wun­der­vol­len Kopf ent­wi­ckelt: „Man wird wohl als genial bezeich­nen dür­fen, wie wun­der­bar uner­klär­lich Woll­nys Spiel über­all hin­passt.“ Was wie­derum wun­der­bar zu urban urtyp passt: Dass Wollny, „das deut­sche Jaz­zwun­der“, dem sie beim ECHO Jazz 2 x Gold umge­hängt haben, dass er bei uns als urban urtyp spielt, ist nicht Gold und nicht Weih­rauch, es ist ein Geschenk. Eines, das mit allem zu tun hat, mit Wollny und dem Wun­der, mit Echo, Jazz und „Mensch“  …

Grö­ne­mey­ers „Mensch“. Letz­tes Jahr im Mai, als der ECHO Jazz in Bochum ver­lie­hen wurde, hat­ten Céline Rudolph  -  hier zwei­mal zu Gast gewe­sen -  und Michael Wollny sich in der Chris­tus­kir­che ver­ab­re­det, um „Mensch“ zu stu­die­ren: Ihre Inter­pre­ta­tion von Grö­ne­mey­ers Monu­men­tal­song sollte den Fest­akt beschlie­ßen: Hier die End­fas­sung, sie ist sehr schön.

Hier die Stu­die, nur Stimme & Piano, sie ist exklu­siv.

Und zeigt neben­her, was Wollny neben­her kann: sich zurück neh­men. Pia­nis­ten, männ­li­che zumal, haben ein Pro­blem, sie wol­len zei­gen, was sie kön­nen und wie vir­tuos. Das alte Ich-kann-auch-Klassik-Syndrom. Wollny muss nichts zei­gen, er kann erschaf­fen. Er kann Stim­mun­gen schaf­fen, von denen man nicht wusste, dass man sie emp­fin­den könnte. Er kann durch die Tas­ten pflü­gen, dass man nicht nach­kommt mit dem Hören, und er kann Pau­sen kre­ie­ren, die so voll sind mit Musik, dass er sel­ber in die Pause gehen könnte, wir säßen immer noch da und hör­ten dem zu, was er nicht spielt.

Der Mann ist knapp über 30.

„Für mich war so mit sie­ben, acht Jah­ren Kla­vier spie­len immer bei­des – Impro­vi­sa­tion und Bach spie­len, Mozart spie­len.“ Das ist seine eigene Erklä­rung, er ist nicht sehr prä­ten­tiös. Hier aus­nahms­weise ein Zitat aus dem Promo-Text:

Seine musi­ka­li­sche Her­kunft ist zwei­fels­frei euro­pä­isch. Johann Sebas­tian Bach, Franz Schu­bert, die deut­sche Roman­tik, Oli­vier Mes­siaen haben ihn min­des­tens ebenso beein­flusst wie Musik von der ande­ren Seite des Atlan­tik. Bei Michael Wollny sind sich die bei­den Tra­di­ti­ons­stränge nicht im Weg, sie ver­bin­den sich mit­ein­an­der. Er weist damit auf eine Tra­di­tion hin, die in unse­rer euro­päi­schen Kunst­mu­sik seit andert­halb Jahr­hun­der­ten unter die Räder gekom­men scheint. Obwohl diese Musik schein­bar so ganz und gar vom Gedan­ken des Notie­rens geprägt ist und von der Arbeits­tei­lung zwi­schen krea­ti­ven und aus­füh­ren­den Musi­kern, gab es hier eine leben­dige Tra­di­tion des Fan­ta­sie­rens. Vor allem unter Pia­nis­ten. Und Fan­ta­sie­ren, das ist kaum etwas Ande­res als Impro­vi­sa­tion ohne Jazz-Wurzeln.

Was soviel heißt wie: Jedes Kon­zert beginnt bei Null. Wenn Wollny in den urban urtyp kubus kommt  -  der Flü­gel steht mit­tig, wir sit­zen drum herum — wer­den die Tra­di­tio­nen da sein und wir, die Gegenwart:

„Nichts ist sicher bei einem Solo­kon­zert von Michael Wollny.“

Schrieb Ste­fan Hentz in DIE WELT. Es ist, was die­ses Kon­zert so beson­ders macht: dass er, der hoch­sub­ven­tio­nierte Häu­ser füllt, bei uns als urban urtyp spielt. Wollny ist die­ser sel­tene Typ von Musi­ker, der sein Publi­kum fin­den statt vor­fin­den will.

» 29. Januar | wie immer sonn­tags | wie immer 19 Uhr | wie immer 10 Euro
» Tickets hier
» urban-urtyp.de
» facebook.com/urbanurtyp

Artikel am 02. Januar 2012 um 02:29 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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