Dieser Mensch ist ein Geschenk, zweifellos. Ein „Wunderkind“ sei erschienen, hieß es, die weisen Kritiker stauten sich staunend ums Klavier herum, auch die weise FAZ: „Selten einmal hat man solche Ausweitungen des konventionellen Klavierspiels folgerichtiger aus dem formalen Ablauf der Improvisationen ableiten können wie im Spiel von Wollny.“ Wie wahr. Wenig später staunte die weiterhin weise FAZ, dass ein Wunderkind einen wundervollen Kopf entwickelt: „Man wird wohl als genial bezeichnen dürfen, wie wunderbar unerklärlich Wollnys Spiel überall hinpasst.“ Was wiederum wunderbar zu urban urtyp passt: Dass Wollny, „das deutsche Jazzwunder“, dem sie beim ECHO Jazz 2 x Gold umgehängt haben, dass er bei uns als urban urtyp spielt, ist nicht Gold und nicht Weihrauch, es ist ein Geschenk. Eines, das mit allem zu tun hat, mit Wollny und dem Wunder, mit Echo, Jazz und „Mensch“ …
Grönemeyers „Mensch“. Letztes Jahr im Mai, als der ECHO Jazz in Bochum verliehen wurde, hatten Céline Rudolph - hier zweimal zu Gast gewesen - und Michael Wollny sich in der Christuskirche verabredet, um „Mensch“ zu studieren: Ihre Interpretation von Grönemeyers Monumentalsong sollte den Festakt beschließen: Hier die Endfassung, sie ist sehr schön.
Hier die Studie, nur Stimme & Piano, sie ist exklusiv.
Und zeigt nebenher, was Wollny nebenher kann: sich zurück nehmen. Pianisten, männliche zumal, haben ein Problem, sie wollen zeigen, was sie können und wie virtuos. Das alte Ich-kann-auch-Klassik-Syndrom. Wollny muss nichts zeigen, er kann erschaffen. Er kann Stimmungen schaffen, von denen man nicht wusste, dass man sie empfinden könnte. Er kann durch die Tasten pflügen, dass man nicht nachkommt mit dem Hören, und er kann Pausen kreieren, die so voll sind mit Musik, dass er selber in die Pause gehen könnte, wir säßen immer noch da und hörten dem zu, was er nicht spielt.
Der Mann ist knapp über 30.
„Für mich war so mit sieben, acht Jahren Klavier spielen immer beides – Improvisation und Bach spielen, Mozart spielen.“ Das ist seine eigene Erklärung, er ist nicht sehr prätentiös. Hier ausnahmsweise ein Zitat aus dem Promo-Text:
Seine musikalische Herkunft ist zweifelsfrei europäisch. Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, die deutsche Romantik, Olivier Messiaen haben ihn mindestens ebenso beeinflusst wie Musik von der anderen Seite des Atlantik. Bei Michael Wollny sind sich die beiden Traditionsstränge nicht im Weg, sie verbinden sich miteinander. Er weist damit auf eine Tradition hin, die in unserer europäischen Kunstmusik seit anderthalb Jahrhunderten unter die Räder gekommen scheint. Obwohl diese Musik scheinbar so ganz und gar vom Gedanken des Notierens geprägt ist und von der Arbeitsteilung zwischen kreativen und ausführenden Musikern, gab es hier eine lebendige Tradition des Fantasierens. Vor allem unter Pianisten. Und Fantasieren, das ist kaum etwas Anderes als Improvisation ohne Jazz-Wurzeln.
Was soviel heißt wie: Jedes Konzert beginnt bei Null. Wenn Wollny in den urban urtyp kubus kommt - der Flügel steht mittig, wir sitzen drum herum — werden die Traditionen da sein und wir, die Gegenwart:
„Nichts ist sicher bei einem Solokonzert von Michael Wollny.“
Schrieb Stefan Hentz in DIE WELT. Es ist, was dieses Konzert so besonders macht: dass er, der hochsubventionierte Häuser füllt, bei uns als urban urtyp spielt. Wollny ist dieser seltene Typ von Musiker, der sein Publikum finden statt vorfinden will.
» 29. Januar | wie immer sonntags | wie immer 19 Uhr | wie immer 10 Euro
» Tickets hier
» urban-urtyp.de
» facebook.com/urbanurtyp

