"Ich sehe unsere Umgebung gerne romanhaft": Autoren des PLATZ DES EUROPÄISCHEN VESPRECHENS, Europatag

Gert Hofmann | Christuskirche

“Der Nationalstaat war mir meist unangenehm”, sagte György Konrád vor ein paar Monaten in einem STERN-Interview. “Ich kenne ihn in faschistischer Form, in kommunistischer Form und jetzt wieder in einer sehr unangenehmen Form. Ich finde Nationalpolitiker eher langweilig, die Nationalphraseologie ist leer. Europa mit seiner Pluralität ist interessanter und intelligenter. Europa ist ein superkomplexer interessanter Roman.” Ein Roman, der  –  mit Jochen Gerz gesprochen  –  von uns selber geschrieben werden muss. Konrád hat Europa geschrieben, er hat sich vorgestellt, was nicht ist:

In den 80ern, als die europäische Teilung als ewige Wahrheit erschien, bestand er darauf, dass es ein Mitteleuropa gab und gibt und geben wird: “Ich sehe unsere Umgebung gerne romanhaft”, sagte er damals im Kursbuch, 1985 war das: “Allein die Vorstellung, dass die östliche und die westliche Hälfte zusammen Europa bilden, ist schon romanhaft.” Und dann diese Frage, 1986 gestellt: “Was halte ich für grundlegend? Die Tatsache, dass wir Juden in Mitteleuropa gewesen sind oder dass ein großer Teil von uns ausgerottet worden ist? Das ist die Frage.” Was ist Europa.

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György Konrád
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